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Wer sitzt hier im Brunnen?

Man macht sich ja schon Gedanken über die Sachen die man so gesagt bekommt. Auch wenn es nur der zahme Haustroll ist, der behauptet "Du sitzt in Deinem Brunnen und weist jede Hand ab die man zu Dir ausstreckt". Nur verliert dieser Vorwurf sehr viel an Gültigkeit wenn man immer wieder erleben muss dass das genaue Gegenteil wahr ist - und diesmal habe ich es schwarz auf weiß und kann es hier zitieren.

Ich habe ja schon erwähnt dass ich mit dem Schlagzeugspielen angefangen habe. Nachdem es wirklich Spaß macht und auch schnelle Fortschritte zu verzeichnen waren habe ich das elektronische Schlagzeug gegen ein etwas besseres getauscht was etwas mehr Realismus möglich macht, vor allem die HiHat war bei dem Einfachen sehr rudimentär (auf/zu und nichts dazwischen).

Nachdem ich das neue Schlagzeug dann vor Weihnachten bekommen und aufgebaut habe sind mir direkt ein paar Sachen aufgefallen die ich verbessern musste. Zum Beispiel sieht die Klemmung des Pedals so aus:

Befestigung des Pedals
Befestigung des Pedals

Man beachte auch das kleine Federchen. Damit man sich jetzt den Spannreifen der Kickdrum nicht beschädigt, hat Roland zwei einfache selbstklebende Gummistreifen mitgeliefert.

Billiges Selbstklebegummi
Billiges Selbstklebegummi

Das verhindert aber nicht dass das Federchen Kerben macht. Viel besser ist es, wenn man sich gleich einen richtigen passenden Schutz dafür macht, in der passenden Größe und in einem Stück in U-Form. Dafür sind 3D-Drucker gut, einmal CAD und Flexfill 98A ist das richtige leicht flexible Material dafür:

Schutz für Kick-Spannreifen
Schutz für Kick-Spannreifen

(Als kleine Randnotiz: Wer sich einen Drucker kauft weil das "in" ist und nur auf das zurückgreifen will was es an fertigen 3D-Modellen im Internet gibt hat es nicht wirklich verstanden).

Oder nehmen wir die ganzen Kabel. Roland liefert fünf Klettkabelbinder mit:

Klett-Kabelbinder
Klett-Kabelbinder

Damit kommt man bei fünf Meter Kabelbaum nicht weit, zusätzlich geht es ja noch die Stative rauf. Wieder CAD und 3D-Drucker und man hat passende Spacer für den Kabelbaum:

Kabel-Spacer für Kabelbaum (3D-Modelle)
Kabel-Spacer für Kabelbaum (3D-Modelle)
Spacer für Kabelbaum montiert
Spacer für Kabelbaum montiert

damit lassen sich die Kabel schön einklemmen - und wenn man das Kabel für Kabel macht sind alle auch schön parallel. Ich kann es nicht ab wenn die Kabel in einem Kabelstrang überkreuz, umeinander herum etc. laufen. Zusammen mit einer Menge von den Klett-Kabelbindern und besagten Spacern kann man alles schön sauber sortieren. Im Werbevideo sind die Kabel weitgehend wegretuschiert - das ist auch eine Lösung.

Dasselbe für die Kabel an den Stativen - Roland liefert zwei (!) Plastikkabelbinder mit:

Plastik-Kabelbinder
Plastik-Kabelbinder

Ich habe mir etwa zwei Dutzend (!) solcher Klammern gemacht, für verschiedene Kabeldurchmesser und Rohrdurchmesser:

Kabelklammer für Drumstativ
Kabelklammer für Drumstativ

Und mit "High Gloss PLA silver" sieht das Ganze auch noch gut aus (Drummer sind eitel).

Und dann hätten wir noch das Modul. Ich habe im Internet gelesen - und das scheint plausibel zu sein - dass die geraden Klinkenstecker nicht optimal sind weil dann das ganze Gewicht der Kabel an der Platine zieht. Der Schreiber hat empfohlen, die dünnsten und leichtesten Kabel zu verwenden, mir ist noch eine bessere Lösung eingefallen: Winkel-Adapterstecker:

Winkelstecker am Modul
Winkelstecker am Modul

Und dann wären da noch zwei Software-Verbesserungen im Modul und die mitgelieferten Verlängerungskabel für die weiter entfernten Pads sind von einer ziemlich miesen Qualität - je nachdem wie sie gerade stecken hat die Masse keine Verbindung.

Bevor ich das aber jetzt alles verfassen wollte (was ich aber jetzt eh mache) und weil die einzige Möglichkeit der Kontaktaufnahme nur über das Kontaktformular des Roland-Accounts geht (wo man keine Bilder mitschicken kann), habe ich beim Support einmal vorsichtig angefragt wie ich denn meine Verbesserungsvorschläge loswerden kann:

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe das Kit jetzt etwa einen Monat und bin sehr zufrieden. Es gibt aber trotzdem noch ein paar Sachen die tatsächlich mit wenig Aufwand verbessert werden können. Dazu würde ich Ihnen gerne eine Mail schreiben weil ich da Bilder einbinden kann. Ist das möglich und wären Sie überhaupt an einer solchen Rückmeldung interessiert? Ich kann die Mail auch gerne auf englisch verfassen wenn das etwas hilft an den richtigen Adressaten in ihrem Konzern zu kommen.
Mit freundlichen Grüßen
Stephan Brunker

Das war Freitag abend. Sie sind zumindest schnell, am Montagmorgen war die Antwort da - und da braucht man fast nichts mehr hinzuzufügen:

Lieber Stephan Brunker,

vielen Dank, dass Sie sich mit Roland in Verbindung gesetzt haben, um Ideen zur Produktentwicklung mit uns zu teilen.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Roland seit vielen Jahren aktiv in der Forschung und Entwicklung in verschiedenen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen tätig ist.

Obwohl wir das Feedback von Anwendern schätzen und zu schätzen wissen, können wir zu Ihrem und Rolands Schutz keine vertraulichen Ideen oder technischen Vorschläge von Personen außerhalb Rolands entgegennehmen.

Darüber hinaus beschränkt sich unsere Rolle in der Kundenbetreuung auf Anfragen zum Produktbetrieb.

Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Best Regards / Mit freundlichen Grüßen / Cordiali saluti
Alessandro
Roland Customer Support

Ich habe selten so einen Bullshit gelesen und viel deutlicher kann man das Problem gar nicht illustrieren das ich mit der Welt habe. Wie gesagt, ich habe ja noch gar nicht geschrieben WAS man überhaupt verbessern kann. Und jeder mag sich selbst eine Meinung bilden ob meine Vorschläge eine sinnvolle und noch dazu kostengünstige Lösung sind. Die Druckteile kosten zusammen keine 10€, die vernünftigen Kabel waren noch das Aufwändigste.

Nein. Mein Gefühl, dass es zwischen mir und der Welt einen Zaun gibt, ich Löcher hineinschneide und meine Hand durchstrecke kommt hin. Nur das die Welt auf der anderen Seite nicht das nimmt was ich aus freien Stücken anbiete, sondern mit dem Stock draufschlägt. Und keinesfalls anders herum. Ich mache mir Gedanken und will meine Fähigkeiten in den Dienst aller stellen. Und die meisten Menschen erreicht man eben direkt über den Hersteller.

Aber es ist eben zu 100% richtig was David Epstein in seinem Buch schreibt oder Paul Rulkens in seinen TED-Talk sagt: 95% der Menschen sitzen in Ihren Gräben und sehen nicht was andere nur ein paar Meter entfernt in ihren Nachbargräben machen. Alle denken Sie in ihrer Box. Und perverser könnte man es nicht formulieren: "Darüber hinaus beschränkt sich unsere Rolle in der Kundenbetreuung auf Anfragen zum Produktbetrieb." - es gibt keine andere Kontaktmöglichkeit an die sich Kunden wenden könnten! Diese strikte Isolation und Aufgabentrennung in Konzernen macht zum Teil natürlich Sinn, ein Techniker der alltägliche Anwendungsfragen beantworten muss wäre falsch eingesetzt. Es fehlt aber einfach die Durchlässigkeit was zu einer vollkommenen Isolierung der "inneren" Mitarbeiter von der Außenwelt führt. Jeder macht seinen Job und sieht nur genau das was vor ihm ist und in seiner Arbeitsanweisung formuliert ist.

Noch ein Beispiel: Ich war in einer Werksführung im Miele-Dunsthaubenwerk in Arnsberg. Der Werkleiter hat voller Stolz gesagt: "Wir sind hier wie ein großer Metallbetrieb, wir können alles bauen. Die Laseranlage fährt als erstes morgens die Sonderteile und danach erst die Serienteile." Man kann sich denken wie die Realität aussieht. Ich brauchte mal einen Ersatzkamin für eine Dunsthaube und der Kundendienst hatte diesen nicht mehr lieferbar. Wenn man dem Werkleiter glaubt ist das kein Problem: Die Daten für das Teil sind sicherlich noch im Archiv, dann lasert man den mit den Sonderteilen, einmal kanten, dann dem Mann geben der die Kamine schweißt und fertig. Aber natürlich ging das so nicht, beim Verkauf beißt man auf Granit. Nicht mehr lieferbar heißt nicht mehr lieferbar. Das wäre gegangen, wenn man die richtige Telefonnummer beim richtigen Mann im Werk kennen würde - aber das ist natürlich alles hoch geheim. Einfach nur totaler Schwachsinn.

Und jetzt kommt mir niemand mit "das sind doch Firmen und keine Menschen, die Menschen sind doch nicht so". Die Mitarbeiter sind ja die Firma. Schwer vorstellbar dass sich alle Mitarbeiter nur schweren Herzens gegen ihre innere Überzeugung so verhalten. Ich will einfach nur mit anderen in Kontakt treten und ihren aus freien Stücken etwas gutes tun - und im Ende werde ich ständig zurückgewiesen.

Wenigstens nur fast immer. Die einzige Ausnahme war Sorotec bei denen ich meine Portalfräse gekauft habe (unter anderem eben um den Kamin zu fräsen den Miele mir nicht machen wollte). Die hatten Gehäuse für die Endschalter die zwei Schwachstellen hatten:

Originales Endschaltergehäuse
Originales Endschaltergehäuse

Es hat sich jemand verrechnet und der Schalter war 1 mm niedriger als das Gehäuse innen Platz hatte - deshalb haben die Schrauben das Gehäuse zerquetscht. Und weil alles nur mit zwei Schrauben zusammengehalten war, ging das Gehäuse an der Kabeldurchführung nicht richtig zusammen. Ich habe das Ding nachkonstruiert, die Innenhöhe korrigiert und zwei zusätzliche Schrauben dazugemacht und das Sorotec angeboten.

Verbessertes Endschaltergehäuse
Verbessertes Endschaltergehäuse

Und - man fasst es nicht - Sie haben es übernommen und mir auch noch einen Warengutschein gegeben. Es ist einfach nur traurig, das das die absolute Ausnahme war und alles andere die Regel ist.

Nein, ich glaube dass ich zu den 5% gehöre die eben "outside the box" denken - wenigstens ab und zu. Und damit bin ich fundamental anders als die restlichen 95%. Und das zieht eben zwangsläufig die sozialen Probleme mit sich die mein Haustroll so gerne als Giftpfeile verschießt. Aber was soll ich denn machen? Natürlich könnte ich mich allen anderen anpassen und das machen was alle anderen auch tun, die sind ja schließlich glücklich damit. Ich befürchte aber nur, dass das nicht funktioniert. Spontan fallen mir da zwei Randgruppen ein bei denen eine solche Verdrängungsstrategie am Ende nur zu den gleichen Resultaten führt wie wenn man den Dreck immer nur unter den Teppich kehrt: Hochbegabte und weibliche Autisten. Man glaubt nicht wie viele hochbegabte in der normalen Schule als Clowns oder Verweigerer untergehen und sich Jahre später erst die Hochbegabung herausstellt. Oder weibliche Autisten die der Welt jemand völlig anderen vorspielen als sie wirklich sind.

Das ist zwar alles immer noch keine Lösung, aber eben immerhin schon mal eine Erkenntnis.


Nachtrag:

Wenn man mit dem Kundenservice Kontakt hatte schicken einem die Firmen gerne eine automatische Rückfrage ob ich mit dem Support zufrieden war. Ich frage mich nur wozu das gut sein soll, außer um einen Vorwand zu haben unliebsame Mitarbeiter feuern zu können. Ich glaube kaum das jemand das Feedback wirklich liest, wenn man ja wie gesehen an Kundenfeedback gar nicht interessiert ist. Für den unwahrscheinlichen Fall ... normalerweise sind meine Worte geschliffener, aber ich kam gerade vom Zahnarzt ...

Roland Kundenzufriedenheitsanfrage
Roland Kundenzufriedenheitsanfrage

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