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Vielfalt

Ich habe es ja schon in ein paar Blogartikeln eingeflochten dass ich ein Tausendsassa bin. Ich weiß jetzt noch nicht einmal, ob Intraverted Intutition (Ni - "Perspektive") oder Extroverted Intuition (Ne - "Entdecken") dafür verantwortlich ist. Viele der Fähigkeiten stammen aus der "get it done" - INTJ-typischen Zielstrebigkeit - wenn man etwas machen will (weil man es braucht), verschafft man sich einen Überblick und wenn dabei herauskommt dass man es selbst machen kann und "nur" lernen muss wie es geht, macht man es eben selbst. Und je mehr verschiedene Fähigkeiten man sich aneignet, desto besser kann man das Wissen über Kreuz einsetzen. Das ist eindeutig Ni.

Was mir aber jetzt die Tage wieder aufgefallen ist: Es ist ja nicht nur, dass ich mir neue Fähigkeiten aneigne, sondern ich habe dabei auch noch eine spezielle, vielfältige Herangehensweise. Weil ich mich immer noch in einer Art Schwebezustand befinde weil die Firma die vorher viel Zeit in Anspruch genommen hat jetzt weitgehend auf Eis liegt schaue ich recht viel auf Youtube. Wie es der Algorythmus so will, kam ich über einen Schlagzeuger auf seinen Kanal und dort haben mich zwei Videos angestupst: Einmal ein sechsjähriger Junge der erstklassig Heavy Metal-Schlagzeug spielt und dann der Test eines $399 elektronischen Drumkits.

Musikalisch habe ich ja seit längerer Zeit nichts mehr gemacht, das lag also auch auf Eis. Und es fällt auch unter die Kategorie "ich wollte immer mal" dass mich das Schlagzeug immer fasziniert hat. Der Hauptgrund warum ich einen Bogen darum gemacht habe war wohl dass man mich bei dem einzigen Jazz-Workshop den ich besucht habe (als Pianist) ziemlich heruntergeputzt hat von wegen ich könnte nicht zählen (Schläge treffen und Tempo halten). Wobei das relativ ist wenn ich mir das ansehe was in der Tanzschule so passiert. Ich kann beim besten Willen nicht verstehen wie zwei Leute synchron völlig gegen den Takt tanzen können. Als Pianist hatte man beim Jazz jedenfalls die A-Karte, bis man sich überlegt hat welche Töne man bei einem A-major7-9-13 spielen kann ist der Song vorbei.

Langer Rede, kurzer Sinn: Ein paar Tage nach diesem Youtube-Erlebnis und eine Marktexploration später habe ich mir für 700 und ein paar zerquetschte Euros das gekauft:

Drumkit Millennium MPS-850
Drumkit Millennium MPS-850

Von meinem Lernfortschritt bin ich auch positiv überrascht: ich habe nach zwei Wochen schon einen guten Teil des Onlinekurses durch und die Schlagzeugparts von Eye of the Tiger (Survivor) und Crying in the Rain (A-HA) klappen schon ziemlich gut. An Highway to Hell arbeite ich noch. Natürlich habe ich noch einen weiten Weg vor mir, ich habe mir mal angesehen wie der Beat von Smells like Teen Spirit geht - ziemlich kompliziert und verdammt schnell. Aber als Pianist, Organist und Komponist ist das was Schlagzeuger an Musiktheorie können müssen natürlich ein Witz, genauso wie das Gefühl für die Musik sowieso schon lange da ist.

Ein anderes Youtube-Video zeigt da deutliche Parallelen:

Ich habe länger überlegen müssen, aber Kize Bae muss auch ein INTJ sein. Was mich etwas in die Irre geführt hat ist das freundliche Lächeln (was für Fe sprechen würde), aber hier spielt die Herkunft wohl eine Rolle - als Europäer kann ich die asiatische Mimik wohl nicht so gut deuten und das Lächeln ist praktisch genetisch bedingt. Ich glaube wenn man genau hinsieht sieht man aber dass es die Augen nicht erreicht und die INTJ-Persönlichkeit nur verbirgt. Nur schade dass es bei 100.000 Abonnenten und über 1.000 Kommentaren pro Video zwecklos ist, sonst würde ich nach der Persönlichkeit fragen.

Jedenfalls sind die Parallelen nicht übersehbar. Es gibt ein anderes Video einer 30-Tage-Challenge eines Zeichenkurses und die Vorangehensweise ist praktisch die gleiche: Zuerst die Technik beherrschen und damit die künstlerische Freiheit entwickeln. Das ist so typisch Ni, Ne funktioniert einfach anders herum: hier kommt die Kreativität zuerst und danach die Technik. Bezogen auf das Schlagzeug bedeutet das: ich nehme mir Songs die ich kenne, höre mir den Schlagzeugpart heraus, schreibe mir das auf und dann lerne ich das genau so. Dabei habe ich gemerkt, dass ich mit Cool Edit 2000 als Audiosoftware (kompliziertes Timing kann man aus der Wellenform ablesen) und Capella 2000 für den Notensatz wahre Methusalem-Software verwende. Aber wenn die Software vor zwanzig Jahren schon das konnte was man braucht und Windows rückwärtskompatibel ist, warum etwas neues kaufen? Ich wäre ja auch dafür Software inklusive Quellcode per Gesetz gemeinfrei zu machen wenn der Autor das Projekt nicht mehr verfolgt (Abandonware).

Also erst mal die Techniken lernen und danach freestyle trommeln.

So langsam nähere ich mich dem weshalb ich den Artikel eigentlich schreiben will: Es gibt noch einen anderen Punkt, der mich von den meisten anderen Menschen unterscheidet. Weil ich mir die Songs jetzt so genau angehört habe war ich überrascht dass ich bei vielen Songs (die Albumversion) ein Tambourin gehört habe:

Tambourin
Tambourin von Tima Miroshnichenko von Pexels

Nicht nur bei Eye of the Tiger und Crying in the Rain, auch bei Summer of '69 und selbst bei Don't stop me now von Queen kann man es deutlich hören, kurz und trocken wie mit einem Drumstick angeschlagen. Nur: Sucht man nach Live-Videos, dann hat keiner dieser Schlagzeuger ein Tambourin an seinem Drumkit. Gitarristen und Bassisten scheiden aus, die haben die Hände nicht frei, Sänger habe ich auch keine damit gesehen und es würde in den Verantwortungsbereich des Schlagzeugers fallen. Als klassischer Musiker bei dem die kleinste Abweichung von den Noten als Fehler angekreidet wird ist das schon mal eine Umstellung dass man als Schlagzeuger eine ziemliche künstlerische Freiheit hat - solange man das Tempo hält. Nur: der Punkt auf den ich hinaus will: Ich habe mir bei der elektronischen Version das Tambourin einfach auf den Rand der kleinsten Tom gelegt. Und wenn ich ein akustisches Set hätte, dann würde ich mir außer dem Tambourin auch einen Holzblock und eine Kuhglocke einbauen - nicht um die Songs 100% nachspielen zu können sondern einfach um eine größere Klangvielfalt zu haben. Nur läuft das dem entgegen was man bei berühmten Schlagzeugern so findet: Der "Normalschlagzeuger" hat vielleicht eine Affinität für Toms (Trommeln) und Becken, teilweise eine ganze Batterie davon, aber eben keine sonstige Percussion. Bis zu einem gewissen Grad kann ich das nachvollziehen und es war auch einer der Kaufgründe für das E-Kit dass es zwei Crashbecken und vier Toms hat. Das reicht dann aber auch.

Aber warum gehe ich immer in die Vielfalt? Beim Fotografieren war/ist (liegt auch auf Eis) es dasselbe: Der Normalfotograf hat vielleicht ein 17-50 mm Normalobjektiv und ein 70-200 Teleobjektiv - ich habe zusätzlich ein 10-17 mm Ultraweitwinkel, das 4,5 mm Fischauge, das 60 mm Makro und eine 85 mm f1.4 Portraitlinse. Und angesichts der tollen Fotos, die nur mit diesen Dingern möglich waren bin ich auch froh darüber.

Oder nehmen wir meine Zeit bei World of Warcraft (lange ist es her). Nein, ich habe nicht einen Charakter gespielt und vielleicht einen sehr viel schwächeren zweiten in erster Linie für die Bank ... ich hatte vier parallel, alle drei Spezialisten (Krieger, Magier, Priester) und einen Allround-Druiden der so geskillt war dass er wirklich alle Funktionen übernehmen konnte. Warum? Weil ich für jeden Job (Tank / Schaden / Heiler) eben wissen wollte wie es funktioniert und wie es ineinandergreift.

Dazu passt auch dass ich eine Episode hatte wo ich im Flugsimulator geflogen bin - auch hier wieder alles vom Segelflugzeug über den Hubschrauber bis zur 737. Oder danach mit DirtRally VR Rallye zu fahren.

Im Berufsleben war es ja dann auch nützlich: Wenn der Vorarbeiter für die Montage kündigt, dann macht man das eben selbst. Weil man eben von Anfang an immer auch wissen wollte / gelernt hat wie das alles geht und wie es zusammenhängt.

Psychologisch bewege ich mich damit in einem sehr interessanten Feld: ist das nun Extroverted oder Introverted Intuition? (vergleiche dafür Personalityjunkie.com: Extraverted Intuition (Ne) vs. Introverted Intuition (Ni)). Ne heißt "Entdecken" ..? Klar erkennbar ist die "gedämpfte" Kreativität von Ni: ich trommle nicht einfach darauf los, sondern mache es nach. Ich male mir nicht eine Fantasielandschaft sondern suche in einer vorhandenen Welt nach dem besten Fotomotiv - nach dem Artikel ganz eindeutig Ni. Etwas verändert scheint es zu stimmen: Ni interpretiert tief aus der Breite der Erfahrungen und deshalb wohl auch das Verlangen eben alle Aspekte abzudecken (in dem Fall alle Arten von Perkussion) um den musikalischen Gesamtzusammenhang besser zu verstehen. Und um eben einen möglichst großen Werkzeugkasten für Te/Se zu haben. Und ja, der Artikel hat recht: als Ni/Se suche ich nach Ne/Si (als INTP oder ENTP) als Partner weil ich die ungebremste Kreativität und den Einfallsreichtum von Ne bewundere, mein Pech dass die als Frauen so furchtbar selten sind.

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