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Ich krieg die Krise

Jetzt liege ich nachts im Bett wach, nachdem ich The Toymakers gelesen habe, das Buch nimmt einen seltsamen Verlauf, der für mein ohnehin angeschlagenes Seelenleben nicht gerade förderlich ist. Ich habe jedenfalls eine Handfeste Krise, die mit einem Wort zu beschreiben ist: ZEIT. Oder der Mangel derselben.

Es ist wahrlich ein Fluch, ein annähernd hochbegabter INTJ mit Enneagramm 5-1 zu sein. Als INTP zum Beispiel wächst man damit auf, viel mehr Ideen zu haben und nur einen Bruchteil davon überhaupt realisieren zu können. Für diese ist eher das Problem dass sie mit der Umsetzung gar nicht erst anfangen oder auf halber Strecke aufgeben weil es den Erwartungen nicht entspricht. Ich hingegen bin gerade in meiner persönlichen Hölle gefangen: Ich habe eine viel zu lange Liste von Sachen die ich machen oder verbessern will. Da sind schon ambitionierte Sachen dabei, aber das schlimmste ist: Das Problem ist nicht das WIE, sondern das WANN. Der Perfektionismus treibt mich dazu, das was ich mache auch so gut zu machen wie ich es hinbekomme. Das ist gut, weil das eben schon ziemlich perfekt ist und man bei etwas was ich gemacht habe kaum etwas finden kann was man besser machen könnte (wenn überhaupt, dann habe ich das auch schon gesehen und es steht auf der zu verbessern - Liste) und - das ist der besondere Clou - meistens sind auch alternative Verwendungsmöglicheiten bereits eingeplant indem die Lösungen flexibel genug sind obwohl sie das für den eigentlichen Zweck gar nicht sein müssten.

Solange meine Welt noch überschaubar war und ich - aus welchem Grund auch immer - in den Sommermonaten aus Langeweile die Wikipedia durchstöbert habe oder Bilder bearbeitet habe ... dann konnte ich auch das Meiste von dem was ich mir vorgenommen habe auch umsetzen. Ich weiß zwar nicht genau, wann es aus dem Ruder gelaufen ist - irgendwann innerhalb der letzten 1 1/2 Jahre - aber jetzt stehe ich da mit einer Liste die abzuarbeiten Jahre bräuchte und alles darauf wäre toll wenn es gemacht wäre. Und ich kann es auch nicht delegieren denn das führt dazu dass ich das Ergebnis sehe und prompt zu der Erkenntnis komme das ich das zumindest teilweise selbst wieder neu machen will weil es nicht so gut ist wie wenn ich es gemacht hätte und ich es so nicht lassen will. Nur ist das eben schon rein zeitlich nicht möglich und dieser Konflikt frisst mich auf.

Und es ist ja nicht so dass ich hier Luftschlössern hinterherjage: Dauernd werde ich daran erinnert, dass ich dies oder das noch machen oder verbessern wollte. Da habe ich meine Doppelverbund-Dampfluftpumpe, die ich schon seit mindestens zwei Jahren umkonstruieren und einen neuen Dampfzylinderblock bauen will. Solange das für mich alleine wäre ... aber jetzt habe ich zwei Kontakte per e-mail, die sich dafür interessieren und denen ich sagen muss, dass ich da nicht weitergekommen bin. Ich bin mir aber sicher, dasss ich das auf ein, zwei Monate hinbekäme, die Konstruktionsidee ist praktisch fertig. Jedesmal wenn ich unterwegs meinen Online-Montagekalender aufrufe, drängt sich die Tatsache in den Vordergrund das ich das Layout auf Prozent umstellen wollte damit es Mobilgerätetauglich wird. Und und und. Alles Sachen die für mich im Prinzip einfach zu realisieren sind, die aber Zeit brauchen und die ich nicht delegieren kann. Entweder weil es sich dann nicht mehr lohnt (wäre viel zu teuer wenn man es normal bezahlen müsste) und/oder weil man es nicht so bekäme wie ich es mir vorgestellt habe. Es gibt Fälle wie bei den Fototapeten, da bezahlt man 500€ und bekommt sie besser geklebt als ich das selbst könnte. Bei der Zeittafel mit der Firmengeschichte hat mein Onkel zwar etwas gemacht, das fällt aber vom Layout gegen die anderen Beispiele zurück die ich gesehen habe, das geht also besser. Diese Sachen schreien mich alle an: "mach mich endlich", ich kann dem aber nicht gerecht werden. Und bei Sachen die ich eigentlich schon fertig hatte taucht dann plötzlich etwas auf was mich kräftig zurückwirft. Die Portalfräse war eigentlich schon betriebsbereit, jetzt finde ich heraus (stand natürlich nicht in der Anleitung) das man die Linearführungen vor der Inbetriebnahme noch schmieren muss. Und natürlich fehlt mir das passende Mundstück um an die Schmiernippel zu kommen, für die man auch noch einige Teile demontieren muss ... zonnngg und es wirft mich um Tage zurück während auch hier wieder jemand auf mich wartet.

Das ist noch ein anderes Problem: Ich kann halbfertige Sachen im Prinzip nicht ausstehen, ich habe meine Tassen gerne fertig und im Schrank. Die Realität ist dann aber die, dass ich ganz im Gegenteil jetzt einen riesigen Haufen von Dingen habe, die ich so nicht als fertig ansehe, wo ich nochmal Hand anlegen will. Das kann man ein, zwei mal machen um den Perfektionismus auszutricksen ("jetzt für den Moment kann man es provisorisch nutzen, ich mache das ja noch ...") - es ist aber Gift wenn das statt der Ausnahme der Normalzustand ist. Solange man einen überschaubaren Horizont hat geht das ja noch. In einer 60m²-Wohnung kann man gar nicht so viele Sachen haben und Arbeit ist eine Notwendigkeit in der man nicht persönlich involviert ist. Bei mir sind das aber 3.000m² und ich kann Arbeit und Privatleben nicht mehr trennen und das ist ein großes Problem.

Und ich kann noch nichtmal hingehen und anfangen aus Frust oder Verzweiflung die Sachen schnell hinzuschustern, denn mit dem Ergebnis wäre ich total unglücklich und nochmal von vorn anfangen dauert noch viel länger als es von Anfang an sorgfältig zu machen. Ich müsste also NEIN sagen, zum einen zu den Menschen die etwas von mir erwarten und dann auch noch zu mir selbst weil ich es von mir erwarte. Das ist aber so einfach nicht möglich. Menschen haben es nicht gerne, wenn man ihnen Nein sagt.

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