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Sapiosexuell ... oder so ähnlich

ich schreibe diesen Blog ja auch, weil INTJs mehr oder weniger mit den gleichen Problemen konfrontiert sind, wenn es um die Interaktion mit der Welt geht. Da ich regelmäßig als hardcore-INTJ teste, so mit Werten oberhalb der 80% und ja noch dazu den Fluch der Hochbegabung trage, bin ich fast schon so was wie ein Freak unter den Freaks. Am schmerzhaftesten ist das bei der Partnersuche zu spüren, wo ich - welch Überraschung - bislang keinen Erfolg hatte. Personalityhacker sagen in ihrem Podcast eine ganze Reihe sehr interessanter Dinge über INTJs, die für mich als Archetyp auch so zutreffend sind. Unter anderem das Modell eines Exoskeletts, das der INTJ zum Schutz seines Innenlebens ausbildet und das sich bei jeder Häutung erneuert. Dieser letzte Schub hat bei mir sehr viel in Richtung Selbsterkenntnis gebracht, und genauso ist es absehbar, dass eine Beziehung der Persönlichkeitsentwicklung in dieser Richtung einen enormen Schub gibt, noch viel schlimmer weil das seit vielen Jahren überfällig ist.

Mittlerweile weiß ich aber dank der Selbstanalyse genau, was mich anzieht und da liegt dann auch der Kern des Problems. Der Normalmensch scheint das nämlich überhaupt nicht zu wissen und auch keinen großen Wert darauf zu legen. Für mich ist das relativ einfach: Mich zieht Intelligenz an - in Form von Cleverness oder auch musikalischer Intelligenz, sprachlicher Gewandheit, Design und Malerei und so weiter (interessanterweise gehören da auch Profi-Kletterinnen dazu, wohl wegen Körperbeherrschung und Mut). Je mehr desto besser und am liebsten jemanden, den ich in echt dafür bewundern kann weil seine über meine Fähigkeiten hinausgehen. (In deutsch ist der Jemand männlich, auch wenn ein weiblicher Jemand gemeint ist, krass ...) Eine hübsche Verpackung erhöht die Attraktivität dann noch zusätzlich - soweit bin ich schon noch ein Mann - aber auch da ist der Maßstab etwas anders da ich ganz wie in der Fantasy durch die Augen die Persönlichkeit sehen kann - jedenfalls ein bisschen. Andererseits - und das ist das grundsätzliche Problem - sagt mir die Verpackung ohne Hinweis auf den Inhalt gar nix. Und damit scheidet die Straße als Ort für die Anbahnung leider aus - ich brauche zumindest einen Anhaltspunkt dafür was innen steckt bevor ich aktiv werden kann. Und das ist leider auch das große Problem beim Online-Dating: Rein in der Theorie ein super Werkzeug, weil man sich selbst ausführlich beschreiben kann und sich über den potentiellen Kandidaten informieren kann bevor man schreibt. In der Praxis wird dieses Werkzeug aber so was von missbraucht: Von den Männern die alles anschreiben was sich nicht wehrt ohne groß zu selektieren und den Frauen die mehr oder weniger leere Profile einstellen die nur ein Foto (am besten noch mit Sonnenbrille) enthalten und sonst nicht viel. Und sich dann wundern das sie kein Glück haben und von jedem Schrott angeschrieben werden. Wie soll ein persönliches Anschreiben funktionieren wenn es keine persönlichen Informationen gibt?! Angesichts der weiblichen Besucherfrequenz scheinen Frauen auch von sich aus nicht großartig aktiv zu werden.

Auch MBTI-mäßig habe ich eine ziemlich genaue Ahnung, was funktionieren würde. INTJ oder INFJ, jedenfalls mit Ni als primärer Funktion. Es gibt ja jede Menge Diskussionen unter den weiblichen INTJs inwiefern gerade T zu F aus der weiblichen Geschlechterrolle ausgrenzt und so ganz kann ich mich da nicht ausnehmen: F macht schon liebenswerter, aber andererseits ist das nicht unbedingt ein Muss, die Dynamik eines T-T Paars ist aber sicherlich anders als die T-F Kombination. Kurz: F (zumindest nicht zuviel davon) wäre nett, T geht auch weil es eben andere Vorteile hat. P ist auf die Dauer wohl nicht zu ertragen, als Sohn einer INFP-Mutter kenne ich die Auswirkungen in Richtung Chaos und mangelnde Zielstrebigkeit einfach zu gut.

Vielleicht noch ein Satz dazu wie ich auf den ganzen Kram komme: das ist jetzt kein von der Realität losgelöstes Gehirngespinst, sondern es gibt auf Youtube eine ganze Reihe von MBTI-Bloggern und ausgehend von dem Bauchgefühl das diejenige Person bei mir auslöst ergibt sich dann rückwärts ein Muster und daraus die Abstraktion. Zum Beispiel sind weibliche ENTPs einfach nur cool (Type: Kickass-Heroine with Chainmail Bikini), aber auf die Dauer eben nur schwer zu ertragen. Der Standardsatz für alle Es ist "Freunde treffen" - und das ist ein Zeitvertreib, der so nun ganz und gar nicht zu mir passt. Nach meiner Erfahrung sind Es auch potentiell oberflächlicher, haben viele Freunde während bei Is eher die Tiefe der Beziehung im Vordergrund steht.

Ich hatte tatsächlich schon ein Date mit einer ENTJ-Frau. Die Schreiberei davor war ganz nett - wir reden hier von 6.000-Zeichen-Nachrichten in regelmäßigem Abstand, da muss man sich schon was zu sagen haben - und bei dem Date haben wir auch vier Stunden miteinander geredet, nur gab es am nächsten Morgen eine Abfuhr, was eben meines Erachtens am E/I-Gegensatz liegt: Oberflächlich ist der Funke wohl spontan nicht übergesprungen. Das ist aber bei T-T eben nicht direkt zu erwarten und ich hätte da noch wesentlich mehr Zeit investiert damit es überhaupt die Chance gibt das sich da etwas entwickelt. Es hat nicht sollen sein.

Ich schaffe das vielleicht einmal im Jahr mal einen Kontakt herzustellen und selbst dann krepiert das, wie bei der letzten Dame. Die war bislang wohl am ehesten der Mensch in den ich mich verlieben würde: Physikerin und wohl tatsächlich INFJ so wie ich das eingeschätzt habe. Man hat sich wieder geschrieben, alles wunderbar, dann überlegt man sich mal anzurufen und ich gebe meine Telefonnummer heraus und das war der Startpunkt des Desasters: Sie ruft mich völlig spontan an, was wohl für jeden INTJ ein Alptraum wäre. Ich arbeite schon zu lange als Verkäufer um jetzt völlig durch den Wind zu sein, aber wie auch immer - so völlig man selbst ist man in solch einer Schocksituation nicht. Auch da hat der Podcast recht: Bei einem INTJ braucht es Zeit, bis man "in" ist. Aber zum wiederholten Male hat es die Möglichkeit gar nicht gegeben da hin zu kommen: Das schon ausgemachte Date wurde abgesagt, weil Sie sich nach dem Telefonat nicht sicher war ob ich dem Bild in der Vorstellung entspreche und mich nicht verletzten wollte. Klingt stark nach "INFJ-Doorslam". Ich sage da nur: No Pain No Gain - man kann doch nicht erwarten, das einem alles in den Schoss fällt? Einen Sonntag Zeitinvestment wäre ja immer drin gewesen, vor allem wenn man sich mal die Wahrscheinlichkeiten hochrechnet:

Ni-dominant (INTJ, INFJ)

1 : 50

2% INFJ und 0,8% INTJ bei der weiblichen Population

hochbegabt in Kombination mit Ni

1 : 20

etwa 4 x häufiger als über die gesamte Bevölkerung

hohe multiple Intelligenz

1 : 4

das ist geraten

weiblich

1 : 2

 

in der richtigen Altersdekade

1 : 8

 

Single und sucht nach Mann

1 : 4

das ist auch geraten

mag INTJs

1 : 2
1 : 8

geraten nach einer Umfrage, die anderen können INTJs nicht ausstehen und mögen ENFPs oder ENTPs


alles zusammen jetzt mit den Unsicherheiten ein Wert irgendwo zwischen 1:100.000 und 1:1.000.000 - nicht hoffnungslos, aber leider selten genug um ein echtes Problem zu sein. Wenn man schonmal jemanden an Hand hat, der vielleicht zu dieser Gruppe gehört, dann sollte man doch wirklich das bischen Zeit investieren um denjenigen wirklich kennenzulernen bevor man die Sache verwirft?! Es ist ja nicht so als gäbe es diese Lottotreffer an jeder Ecke. Deshalb sind solche Angaben wie "nur in meinem Wohnort" oder "mindestens XXX cm groß" oder ein enges Altersspektrum ja so unsinning, die engen alles ja nur weiter ein.

Mir bleibt jetzt also nur übrig abzuwarten und auf den nächsten Lottotreffer zu warten. Oder eine deutsche INTJ-Convention zu veranstalten, was aber an zwei Dingen scheitert: Zum einen wissen die allermeisten deutschen INTJs gar nicht das sie INTJs sind (MBTI hierzulande unbekannt und diesen Blog findet im Moment nicht mal Google) und zum anderen müsste ich auch noch genug davon erreichen dass eine Convention zusammenkommt und das ist entweder schwierig (viele redaktionelle Inhalte in den Medien bekommen) und/oder teuer (viel Werbung in besagten Medien zu schalten). Noch gar nicht berücksichtigt, dass die meisten INTJs am liebsten zu Hause bleiben ...

Ich überlege ja schon lange wie mein Leben verlaufen wäre wenn ein paar Dinge anders entschieden wären und das Hochbegabten-Internat ist sicherlich ein interessantes Szenario: Dann hätte ich die größte Chance gehabt auf Gleichgesinnte zu treffen was jetzt, auf dem Land und in einem Beruf abseits der Wissenschaft praktisch unmöglich ist. Und natürlich die wissenschaftliche Karriere ... wobei mir besagte Verkäufererfahrung dann wirklich fehlen würde was zu sehr großen Abstrichen bei Offenheit und Kommunikationsfähigkeiten geführt hätte.

Update 11/2017: im Moment bin ich offiziell nicht hochbegabt, statt 2% der Bevölkerung sind es 4%, weil da ein paar Pünktchen fehlen. Das positive: Die Zahl oben verdoppelt sich. Das negative: ich glaube, der Test war nicht blind genug auf Übungseffekte

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