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Nachtrag: Polizeistrategie und G20-Gipfel

das Thema und meine Aussage lassen mir keine Ruhe - wie immer wenn mich die Neugier packt will ich ein möglichst umfassendes Bild der Situation. Ich habe mir bei Markus Lanz Teile der Talkrunde angesehen und das Web nach brauchbaren Informationen abgesucht, die aber sehr spärlich gesät waren. Wie angesichts dieser Informationslage überhaupt jemand ein qualifiziertes Urteil fällen will ist mir schleierhaft.

Aber bleiben wir bei den nachprüfbaren Fakten: Es gab 20.000 Einsatzkräfte und mehrere hundert, runden wir mal auf tausend auf, Gewalttäter. Das gibt ein Kräfteverhältnis von 20:1 und jeder der schon mal irgendein taktisches Computerspiel gespielt hat weiß das das chancenlos ist. Anders formuliert: Man könnte jeder Person in dem Camp drei Polizisten dabeistellen, die sogar mit ihm aufs Klo gehen und hätte noch 17.000 übrig. Es kursiert das Video, wo sagen wir mal hundert Vermummte durch eine Straße rennen und die Autos rechts und links in Brand setzen.
Das erinnert mich sehr an World of Warships wenn die Kreuzerkapitäne gepennt haben und einen Zerstörer haben durchwitschen lassen der nun fröhlich und ungestört hinter den feindlichen Linien die Schlachtschiffe und Flugzeugträger versenkt. Außerdem waren die Schwerpunkte ja nicht wild über die ganze Stadt verteilt sondern konzentrierten sich auf das Schanzenviertel, was ja ebenfalls zu erwarten war. Das ganze ist wie ein großes Strategie- und Taktikspiel oder eben ein Kampfeinsatz auf Divisionsebene. Wie wir aus der Geschichte wissen, steht und fällt in solchen Situationen das Kampfesglück mit der Fähigkeit der Kommandoketten. Es gab wohl die Situation wo ein Trupp Autonomer im Eckhaus des Schulterblatts bewaffnet mit Pflastersteinen und Zwillen stundenlang diese Straße vor der Polizei abgeriegelt hat, dabei ist vermutlich auch das Video entstanden. Zum Vergleich standen der Polizei Panzerwagen, Wasserwerfer, MP5, GSG9, Hubschrauber und alles was man sich sonst noch so wünscht zur Verfügung. Okay nicht ganz, in Berlin 1945 hat die Rote Armee solche Widerstandsnester mit Sturmgeschützen zusammengeschossen, das gibt aber schlechte Presse. Wenn sich also die Gewalttäter schon freiwillig auf ein Dach begeben von dem es keinen Ausweg gibt, warum hat man das Haus also erst so spät gestürmt und die Typen festgenommen? Oder überhaupt nicht eine schnelle Eingreiftruppe hinten herumgeschickt? Das grundsätzliche Problem bei solchen assymetrischen Konflikten ist ja das man die schwächere Partei nicht zu fassen bekommt und das wäre ja eine solche Gelegenheit gewesen.

Oder um jetzt mal einen völlig unfundierten Schuss ins Blaue abzugeben: Ich hätte um das Tagungszentrum herum eine Zonenverteidigung aufgebaut, eine Manndeckung im Bereich der Protestcamps und eine Raumverteidigung entsprechend der Bedrohungslage, das ganze ergänzt um eine hochmobile Reserve. Dazu noch eine strikte Rotation, damit sich die Kräfte nicht vorzeitig verschleißen, was ja auch noch zu erhöhter Aggression geführt hat. Entweder ist das mit 20.000 Mann hinzubekommen oder man hätte eben im Vorfeld einen genauen Bedarf anmelden müssen. Material kann man ja auch bei der Bundeswehr mieten, man muss da nur mal drüberpinseln. Ach so: und man sollte natürlich das ganze im Manöver vorher geübt haben und die Kommandoketten optimiert haben, denn jeder Schlachtplan stirbt mit dem ersten Schuss (nach Montgomery - oder war es Moltke?). Wenn man so binnen Minuten seine überlegenen Kräfte umgruppieren kann müsste es doch machbar sein eine solche Opposition niederzuhalten wenn die Aufklärung genauso umfassend ist. Dazu müssen natürlich die effektiven Werkzeuge zur Verfügung stehen, also nichtlethale Waffen die jemanden so lange bewegungsunfähig machen bis er verhaftet werden kann und dann auch für die Dauer des Gefechts verhaftet bleibt. Viel Verwechslungsgefahr besteht da ja nicht: entweder trägt jemand ganz schwarz und vermummt mit Stein/Zwille/Molotowcocktail (verhaften) oder trägt Regenbogenfarben (eher nicht).

Fazit: Ich schreibe gerade parallel an einem anderen Artikel: Warum kann das keiner richtig machen?

Ich habe da einen Verdacht: der obige Plan würde die schwächsten, weil am wenigsten mobilen und ausgerüsteten Kräfte zur Bewachung der Staatschefs einsetzen und das kommt optisch nicht so gut an. Andererseits reichen zur Gefahrenabwehr hier Taschenkontrollen und MP5s aus, bei der Beherrschung eines Mobs sieht das ganz anders aus.

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