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Intuitiv oder die Suche nach dem Bummms

Egal was man nun von MBTI & Co. hält - es gibt ein Unterscheidungsmerkmal, was die Menschen in zwei Gruppen aufteilt. Etwa so wie Schafe und Bordercollies. Auf der einen Seite gibt es die (große) Mehrheit, die ihren Platz in der Gesellschaft gefunden hat und auf der anderen Seite diejenigen, denen das einfach nicht genug ist. Menschen, die aus der Masse hervorstechen und etwas bewegen wollen und das oft genug auch schaffen. Oder, um es noch blumiger zu sagen: Diese Typen haben Pepp oder Bumms. Das ist in etwa eine sehr plakative Beschreibung des "N" vs. "S" bei den vier Buchstaben und wahrscheinlich der Aspekt mit der größten Auswirkung.

Was mir nur sehr, sehr rätselhaft ist und was ich nicht nachvollziehen kann, ist der Anteil der Intuitiven an der Bevölkerung. Auf den einschlägigen Seiten liest man Werte zwischen 25 und 35%, aber das kann nicht sein, das widerspricht völlig meinen Beobachtungen. In der erweiterten Familie hat es zwar Intuitive - meine Mutter ist INFP, meine beiden Onkel wohl ENTP und ENFJ, meine Mutter hat auch noch einen Bekannten der auch ENTP ist - aber da hört die Liste schon auf. Meine Großmutter (die Mutter der Onkel) kann ich leider nicht mehr fragen, aber da bin ich mir ziemlich sicher, dass sie genau wie ich auch INTJ war - womit es auch naheliegend ist, dass sich diese Persönlichkeitsmerkmale vererben. Wenn ich aber über die Familie hinausschaue auf die Menschen die ich gut genug kenne um ihren Typ zu erraten - alles Sensoren. Meine Verkäufer, die Monteure, Reinigungskraft, meine Tanzpartnerin. Ich wurde schon oft genug gefragt, ob das nicht eine Partnerin wäre ... im Prinzip ja, aber. Sie dürfte ISTJ sein - alles was ihr fehlt, ist eben der besagte Bumms. Ich würde ja Lindy-Hop oder Boogie-Woogie lernen wollen - aber das würde sie nie mitmachen. Ich habe auch die Stelle eines Assistenten der Geschäftsleitung ausgeschrieben - mit der Option auf eine 49%ige Firmenbeteiligung, also Mit-Inhaberschaft. Es gab auf meine Anzeige nur einen Bewerber, den ich vorab den Test habe machen lassen: ESFJ. Beim Bewerbungsgespräch hat sich das leider dann auch bestätigt - kein Bumms, ich habe ihn leider völlig an die Wand geredet und es kam nicht viel zurück. Das Problem ist nur, dass man für den Job Visionen, Ziele, Vorstellungskraft und Entschlossenheit braucht. Ich stelle mir das immer so schön vor: Der Laden ist ja noch nicht fertig und der Wunschkandidat hätte jetzt mit mir die Besichtigung gemacht und dabei seine Ideen fließen lassen. Die restlichen drei Faktoren wären mir ja nun wirklich egal gewesen, aber ohne Intuition geht es eben leider nicht. Ein Beispiel: sowohl ein INFJ als auch ein ENTJ sind sehr gut darin, die Effizienz der Belegschaft zu steigern. Sie machen das zwar auf völlig unterschiedlichem Weg, aber das spielt ja keine Rolle.

Das ganze steht im krassen Gegensatz zu der Medienpräsenz der Intuitiven. Egal ob man Menschen anführt oder etwas neues schafft oder einfach nur einen Blog oder Youtube-Kanal hat: genauso wie sie in der Breite unauffindbar sind, ballen Sie sich in einem solchen Kontext zusammen. Wenn man in die Geschichte schaut, dann fällt noch etwas auf. Da Monarchien ja auf Vererbung basieren ist es ziemlich zufällig, was für ein Typ auf den Thron kommt, anders als bei Demokratien oder Diktaturen. Die herausragenden Monarchen waren wohl auch Intuitive, wie zum Beispiel Ludwig XIV., Friedrich II., Ramses II., Echnaton, Edward I. - um nur ein paar zu nennen. Ein S-Typ würde wohl nie ein großes Reich schaffen oder visionäre Reformen durchführen. Kamen diese auf den Thron, gab es zwei Möglichkeiten: Entweder blieb der Status Quo und Stillstand - was für eine ganz lange Reihe der Nachfolger dieser Monarchen gilt - oder aber sie hatten in ihrem Hof jemanden (einen N-Typ natürlich), der den Laden geschmissen hat. Paradebeispiel dafür waren die Kardinäle Richelieu und Mazarin während der Regentschaft Ludwigs XIII. oder Bismarck für die deutschen Kaiser.

Zurück zum hier und jetzt. Da ich persönlich ja auf der Suche nach INTJ, INTP und INFJ bin, bleibt mir nur die Online-Suche. Warum? Weil man solche Typen normalerweise nicht in einer Bar findet, die hassen Bars und gehen nur dahin, wenn sie von einer Freundin mitgeschleppt werden. Und mit E-Typen gibt es leider keine gemeinsame Zukunft, da diese wohl kaum ihren Freundeskreis aufgeben und in die Eifel ziehen. Ich würde zwar im Prinzip auch meine Firma hier aufgeben, wenn jemand eine noch einträglichere Existenz hätte, aber das ist eher unwahrscheinlich.

Geht man jetzt davon aus, dass man einen halbwegs repräsentativen Querschnitt der Zielgruppe dort hat, ist das Verhältnis N zu S dort auch erschreckend und ganz, ganz sicher nicht bei 3 zu 1. Wie gesagt, der Intuitive hat Ziele und Visionen und sollte auch in der Lage sein, diese zu teilen. In diesem Kontext simpel gesagt: Was für einen Menschen suche ich eigentlich und was habe ich was andere nicht haben? Was man aber findet, sind überwiegend leere Profile, wo sich die Damen teilweise sogar nur auf ein Foto reduzieren. Ich will aber kein Foto, sondern einen Menschen, der mich menschlich vom Hocker reißt! Es gibt das Gegenteil, aber die Häufigkeit liegt vielleicht bei 20:1 bis 100:1. Nimmt man jetzt noch dazu, dass E sehr viel häufiger ist als I und bei Frauen umso mehr - wir nähern uns mathematisch der Null-Komma-Grenze - praktisch grenzt das wohl an hoffnungslos.

Also kurz gesagt: Intuitive - wo findet man euch im realen Leben???

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M.W. on :

Interessant ist auch wie häufig in der Gesellschaft die Funktion introvertierte Intuition (INJ) an dominanter Position oder zumindest an 2. Stelle zu finden ist (0,5-1%?). Und dagegen wie häufig int. Sensoren (gefühlt 60-70%). Aber die Evolution hat es scheinbar so gewollt. Generell leben wir in einer STJ dominierten Welt aus Regeln und Traditionen, was für INJ Typen sehr frustrierend und ein offensichtlicher Nachteil ist. NP-Typen kommen etwas besser klar, da die extr. Intuition bei Traditionellen Typen im niedrigen bewussten Bereich liegen und sie diese Funktion zumindest mal sympathisch/interessant finden.
Evtl. ändert sich dieses Verhältnis in der Zukunft wenn die Maschinen wichtiger werden. Damit fallen die typischen sensorischen Arbeitsplätze weg und diese Typen werden, ich sag mal, uninteressant und nicht mehr gebraucht.

Stephan Brunker on :

Wenn man nach den auf den einschlägigen Seiten veröffentlichten Prozentzahlen geht, müssten es 2% INJ sein. Ich halte diese Zahl aber für falsch oder frage mich jedenfalls wie sie zustandekommt. Man bräuchte eine repräsentative Stichprobe von Testteilnehmern und ich weiß nicht ob das gemacht wurde. Nimmt man hingegen die Menge der Testteilnehmer, dann sind Intuitive auf jeden Fall überrepräsentiert, da für die meisten Sensoren solche Tests einfach nur Humbug sind und die da gar nicht erst mitmachen.

N. on :

Ich bin INTJ, weiblich, 28 Jahre und promovierte Chemikerin und ich gehe sehr gerne in Bars und auch feiern :-) Deinen Spamfilter solltest Du übrigens mal optimieren.. Es gibt auch Leute, die den Artikel schneller als in fünf Minuten lesen können.
Liebe Grüße

Stephan Brunker on :

Na ja, der Filter stand auf 500 Wörter pro Minute lesen und 500 Anschläge pro Minute fürs Tippen. Das wären knapp zwei Minuten fürs Lesen. Das ist schon sportlich, aber zugegebenermaßen geht es noch ein klein wenig schneller. Ich schaffe vielleicht 600 wenn ich noch alles verstehen will. Und beim Tippen muss man sich ja noch überlegen was man schreibt.

Und von wegen Bars: Das hängt wohl sehr vom Publikum ab wenn man da alleine hingehen will. Ich wüsste aber bei mir hier nichts was das entsprechende Publikum anzieht und wo man sich über interessante Sachen unterhalten könnte. In Gesellschaft mit anderen die man kennt ist das etwas anderes, das steht ja auch so im Artikel. Und alleine feiern … wie heißt es schon bei "Asterix und die Schweizer": "Eine Orgie allein ist auch nicht so lustig".

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