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Dauerinput

Klar, INTJ sind nicht als besonders soziale Zeitgenossen bekannt und Weihnachten ist ja gerade die Zeit sozialer Zusammenkünfte. Ich habe ja glücklicherweise die Gabe einer ausgeprägten Selbsterkenntnis und konnte dieses Jahr ein paar erstaunliche Details bei mir erkennen. Ich habe einen kleinen Neffen, der jetzt zwei Jahre alt wird. Dieser ist - wie wohl die meisten Zweijährigen - nicht still auf seinem Stuhl zu halten, sondern rennt in der ganzen Wohnung herum, fasst alles an (vor allem alles, was nach Auto aussieht) und wehe, man nimmt es ihm weg, dann fängt das große Geschrei an. Als Folge darf er das alles. Klar, Zweijährige sind mitten dabei, ihre Umgebung kennenzulernen und mit ihr zu interagieren.

Was mir jetzt dabei aufgefallen ist: Mir geht das eigentlich genauso, nur im Gegensatz dazu darf ich das nicht, sondern muss eben still auf meinem Stuhl sitzen und mir das Geschwätz der Erwachsenen anhören. Jetzt mal ganz böse formuliert. In dem Punkt unterscheiden sich wohl INTJs nicht von Zweijährigen: Auch wir benötigen einen mentalen Dauerstimulus, und Konversation über in unseren Augen nicht interessante Themen gehört einfach nicht dazu.

Das heißt nicht, das wir nicht gerne reden würden, sogar sehr gerne und über eine Vielzahl von Interessensbereichen (schließlich habe ich ja auch einen Teil des Weihnachtsessens selbst gekocht), aber die Erziehung von Zweijährigen und Hochzeitsvorbereitungen gehören nun mal einfach nicht dazu. Das ging schließlich so weit, dass ich in den Keller gegangen bin und Holzhackschnitzel für die Heizung geschaufelt habe, weil ich es anders einfach nicht mehr ausgehalten habe. Man kann das jetzt als unreif betrachten, aber es ist schließlich gerade diese kindliche Kuriosität, die uns diesen unvoreingenommenen Blick auf die Welt ermöglicht. Das heißt also, das wir entweder etwas entdecken oder etwas machen, alles andere fällt unter Normerfüllung und ist schlichtweg gegen unsere Natur. Auf der Plusseite bedeutet das auch, das die Bedienungsanleitung für einen INTJ ziemlich einfach ist: Gib ihm ein Spielzeug, das er ausprobieren kann und er ist glücklich. Ein schönes Beispiel: Meine Mutter hat ein Rezept für eine Selbstbau-Fackel von einem Weihnachtsmarkt mitgebracht: Einfach eine Rolle Klopapier in heißem Wachs oder Fett (altes Frittenfett funktioniert prima) tränken und anzünden. Brennt schön kontrolliert eine Stunde ab und kostet praktisch nichts.

Selbstbau-Fackel aus Frittenfett und Klopapier

Selbstbau-Fackel aus Frittenfett und Klopapier

Keine Ahnung, wie viele Menschen das dann tatsächlich ausprobieren würden, aber einen INTJ treibt die Neugier an: Wie funktioniert die Herstellung am besten (mit Tape umwickeln, damit es stabiler wird), was ist das Funktionsprinzip (wie durch einen Docht steigt das Fett nach außen und brennt an der Oberfläche ab, während der Träger (das Klopapier) fast unversehrt bleibt, bis der Brennstoff erschöpft ist), Ni wirft dann noch das Detail dazwischen, dass bei der Entwicklung der Brisanzgeschütze das Schießpulver in Röhrenform gepresst wurde weil die Oberfläche einer Röhre beim Abbrennen konstant bleibt. Kurzum: eine Menge Stimulus und damit unwiderstehlich. Wie vorhergesagt, ging die Fackel dann auch praktisch schlagartig aus, der Träger ist dann langsam verglüht. Ich musste zwar nicht löschen, aber selbst dafür hatte ich schon etwas parat: In einen großen Topf und Deckel drauf. Wasser ist halt in Verbindung mit brennenden Kohlenwasserstoffen eine schlechte Idee. Übrigens kommt auch nur ein INTJ darauf, endlich mal die Flammentemperatur eines solchen Feuers zu messen: ca. 550°C, gar nicht mal so heiß, das reicht vielleicht für ein Würstchen zu braten, aber schmelzen kann man damit außer Blei und Zinn nichts.

Das Prinzip des konstanten Stimulus ist auch die Erklärung dafür, warum ich bei bestimmten Tätigkeiten gerne Musik höre: wenn die Tätigkeit mit einem Minimum an Gehirnaktivität auskommt, muss die restliche graue Masse schließlich bei Laune gehalten werden und Musik kann das ganz gut. Ich hätte an Weihnachten auch gerne Nightwish laut aufgelegt, aber das durfte ich leider auch nicht. Und besagte Hochzeit wäre auch deutlich schöner gewesen, wenn die Tischnachbarn etwas interessantes zu erzählen gehabt hätten, aber damit war es auch nicht so weit her. Witzigerweise kann man mit einem INFP toll über Ideen fantasieren: Sollte ich tatsächlich mal heiraten, dann baue ich eine Szene aus Der letzte Ritter nach, wo in der Abenddämmerung ein mit Fackeln oder Feuertöpfen gesäumter Weg abgeschritten wird. Die Bauanleitung für die Fackeln habe ich schon, da braucht es nur ein Stück zölliges Heizungsrohr, Ofenrohr und etwas Draht dazwischen als Rost, mit ein paar Schweißpunkten zusammengedengelt, fertig. 100€ reichen für eine ganze Allee von den Dingern. Leider ist das für gefühlt 95% aller anderen Menschen einfach nur Spinnerei ...

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