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nochmal Jack-of-all-Trades

Jetzt sind wir mal wieder gleich zwei Dinge passiert, die zeigen wie unterschiedlich kleine Firmen zu großen Firmen sind und wie sehr man als Tausendsassa oder Jack-of-all-Trades aus dem Rahmen fällt. Geschichte 1 geht um eine Dunstabzugshaube, die in der Ausstellung nicht in den dafür vorgesehenen Schrank passte und deshalb zur Gutschrift an den Hersteller zurückgehen sollte. Das ganze bekam ich zwar mit aber veranlasst hatte es jemand anderes. Wie es nicht anders hätte kommen können, hat derjenige nicht richtig aufgepasst und nicht gemerkt dass die Monteure die Haube nicht wieder richtig original verpackt hatten. Jedenfalls meldete sich dann einige Zeit später der Außendienst mit der Mitteilung, dass die Haube nicht gutgeschrieben werden könne, weil Sie an der Ecke beschädigt sei. Dann wollten Sie sie mir auch gar nicht erst wieder zurückschicken "weil das gegen die Qualitätsstandards sei, eine beschädigte Haube in Umlauf zu bringen". Ich musste da schon deutlicher werden von wegen mein Eigentum und so. Als ich das Teil dann endlich wieder hier hatte, erwartete ich verknautschtes Metall und abgeblätterte Farbe und wollte sehen was ich noch retten kann um keinen Totalverlust zu haben. Stattdessen sah es so aus:

Dunstabzugshaube mit Transportschaden

Dunstabzugshaube mit Transportschaden

Wie bitte?! Deshalb machen die so einen Aufstand? Ich konnte es nicht fassen. Ein Griff in die Werkzeugkiste, den Zangenschlüssel

Zangenschlüssel

herausgeholt, ein Blatt Papier dazwischengelegt damit der Farbe nun auch wirklich gar nichts passiert und ein paar Minuten lang daran herumgebogen. Das Ergebnis:

reparierte Dunstabzugshaube

reparierte Dunstabzugshaube

wie neu. Das die betreffende Ecke nicht verschweißt ist liegt wohl an Kosteneinsparung, besser wäre es. Auf meine Beschwerde bekam ich dann einen Rückruf von wegen dass das gegen die Qualitätsprinzipen gehen würde so etwas wieder weiterzuverkaufen wenn daran herumgebogen worden ist. Völliger Quark, da die Haube ja als flaches Blech geboren wird und erst durch Verbiegen diese Form überhaupt bekommt. Das wahre Problem liegt in der Struktur selbst mittelgroßer Firmen mit ein paar hundert Mitarbeitern. In der betreffenden Deutschland-Niederlassung gibt es wohl ein Auslieferungslager, aber noch nicht mal eigenes Verpackungsmaterial. Die Mitarbeiter dort können zwar Aufträge erfassen oder Ware kommissionieren, aber Hand anlegen? Kann keiner oder es wurde keiner für diese Aufgabe eingestellt. Und selbst im Herstellungswerk selbst gibt es zwar für jeden Arbeitsschritt jemanden, der ihn kann, aber "verbogene Haube geradebiegen" ist als Arbeitsschritt nicht erfasst. Es muss zwar irgendjemanden geben, der die Prototypen in der Entwicklung baut und so etwas hinbekäme, aber dieser Mensch könnte genausogut auf dem Mond leben. Kurz und gut: Die Organisation großer Firmen ist zwar stromlinienförmig und effektiv, aber durch die vollständige Arbeitsteilung auch extrem unflexibel.

Wenn man bedenkt welcher Murks teilweise produziert wird ist auch die Geschichte mit der ISO 9001 Zertifizierung völlig lachhaft. Da wird ein Riesenbohei gemacht um die Festlegung eines Qualitätssicherungssystems, das dann auch vom TÜV geprüft wird, aber über die Qualität an sich sagt das überhaupt nichts aus. Wie die Frauen erfahren mussten, die qualitätsgesichertes minderwertiges Silikon in ihren Implantaten bekamen deren Lieferant eben jene Zertifizierung hatte. Der TÜV war nicht haftbar, da er ja nur das System geprüft hat ... in so einem Fall wird die Arbeitsteilung zwischen Produktion, Qualitätssicherung und Zertifizierung schon krankhaft.

Ich habe jetzt diesen sehr interessanten Kommentar gefunden zur Frage, wozu Jacks-of-all-Trades gut sind:

by zapbark

I'm motivated by solving problems.
I work in complex systems, where it is unclear where the problem might lie.
Over time, simply by chasing problems whereever they may lead, has lead me to learn quite a bit about nearly every aspect of the systems.
Most people, especially at large companies, do one thing. They are in a walled area, and someone from another wall throws a request over the wall to them. They do it, and toss the answer back.
If a squirrel of a problem runs through their yard, they don't care. As they don't know or care about what problems it caused elsewhere.
Being someone willing to learn and chase problems through other people's yards is one of the only ways of hunting down some of the more persistent and annoying problems that exist out there.
So in some things, being a jack of all trades is the only way to become really good at debugging complex systems.

Im Grunde verstößt diese Arbeitsteilung gegen ein fundamentales Prinzip des INTJ: Get things done. Anders als in diesen Firmen, wo die Aufgabenteilung fixiert ist und erst einmal herausgefunden werden müsste, ob überhaupt und wer dafür zuständig ist, sehen wir was wirklich zu tun ist und sorgen dafür, das es möglicht schnell und effizient gemacht wird. Und wenn man schon alles kann, dann macht man es gleich selbst und es ist erledigt. Das das auch noch kostengünstiger ist, zeigt Beispiel 2:

Für die Dekoration habe ich eine Reihe von Lampen bei meinem Lieblings-Elektronikhändler bestellt. Jetzt hat der mich etwas angefixt weil Sie bei einer Lampe eine falsche Angabe zur Fassung im Katalog hatten und ich deshalb unnötig Portokosten für die Rücksendung falscher Leuchtmittel hatte, außerdem musste ich beim Leuchtmittellieferanten auch noch darum betteln, die Sachen überhaupt zurückgegeben zu können weil die 14 Tage schon herum waren. Der Kundenservice zeigte sich aber völlig unbeeindruckt. Dann habe ich halt eine der Lampen offiziell reklamiert, weil die Überwurfmutter der Zugentlastung fehlt (Pfeil):

fehlende Zugentlastung an Lampe

fehlende Zugentlastung an Lampe

Normalerweise hätte ich mir ja selbst geholfen und so ein Teil notfalls 3D-gedruckt. Da eine gleiche Überwurfmutter an ziemlich vielen Lampen dieses Herstellers ist, hätte ich an der Stelle des Lieferanten auch irgendwo an der billigsten Fassung eine abgemacht, in einen Brief gesteckt und es wäre erledigt gewesen, zumal ich in meinem Schreiben auch gesagt hatte, dass ich das selbst neu einfädeln kann (weil ja eine Verschraubung oben und unten ist, konnte sie gar nicht verlorengehen). Hätte 90 Cent für die Warensendung gekostet. Stattdessen habe ich jetzt einen Rücksendeschein bekommen weil sie die komplette Lampe umtauschen wollen. Das sind zweimal Paketporto plus die 45€ für die Lampe, also über 50 mal teurer als bei meiner Lösung. Aber wenn Sie es halt nicht anders können ...

Als INTJ und Jack-of-all-Trades bringt man nun wirklich alles mit um einen Job möglichst effizient zu machen. Das Problem ist halt nur, dass es nicht massentauglich ist, sprich die normale Berufswelt gar keine solchen Jobs vorsieht. Es sei denn als Spezialproblemlöser wie zapbark. Das setzt wohl auch voraus, dass man es schafft überhaupt die Genehmigung zu bekommen, Aufgabenübergreifend zu arbeiten. Die Situation ist irgendwo vergleichbar mit DOS zu modernen Betriebssystemen: früher konnte man überall eingreifen, ändern und überschreiben. Heutzutage gibt es ausdifferenzierte Zugriffsebenen und ohne die jeweilige Berechtigung wird der Zugriff einfach verweigert. Und die Leute, die in der Hierarchie weit genug oben stehen dass sie tatsächlich alles dürften (oder es ihnen niemand verbieten könnte) haben keinen Bedarf für diese Befugnis. Und wahrscheinlich würde sich der Werkleiter auch noch verbitten vom Vorstand in seine Arbeit hineingeredet zu bekommen. Dazu fällt mir die eine, wirklich tolle Szene aus "Ein Papst zum Küssen (The Pope must Die(t) )" ein: Kammerdiener zum Papst: Sie dürfen hier nicht rein - Papst: Wie denn das - der Papst bin immer noch ich! (und tritt die Tür ein). Wenn es doch nur so einfach wäre und alle Menschen immer nur das einfachste weil effizienteste und richtige machen würden.

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