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Leben in der falschen Welt

untergegangenes Geschäftsgebäude
Das Geschäftsgebäude am nächsten Morgen, in der Nacht stand das Wasser noch einen halben Meter höher

Ich brauche eigentlich nur diese Bilder zu zeigen damit jedem klar ist das in meinem Leben gerade einschneidende Erlebnisse stattfinden. Um es mit einem Satz zusammenzufassen: Nicht nur war die Flut war das letzte Glied in einer Kette, deren Steigerung so nicht besser in einem Roman hätte stehen können. Es ist auch noch so, so hart in einer Welt leben zu müssen die für andere Menschen gemacht worden ist und das merkt man dann erst wirklich wenn alles schief geht.

zerstörtes Lager
95% der Ware im Lager ist unrettbar zerstört

Bei der Hochwasserkatastrophe stand das gesamte Untergeschoss meiner Firma zwei Meter hoch unter Wasser. Darin befand sich das Lager und die Werkstatt, der Aufzugstriebwerksraum und die Heizung. Und von alledem ist 90% nicht mehr zu retten. Aber es geht hier nicht um den Schaden - es gibt ja besonders an der Ahr Menschen die es noch viel schlimmer getroffen hat und deren Existenz inklusive Grundlage komplett zerstört worden ist. Es geht vielmehr darum, wie ich als INTJ und damit auch als Sigma-Typ mit dieser Situation umgehe.

Also die Vorgeschichte: Ich habe die Firma 2014 von meinem Vater übernommen und da war noch alles im Lot. Wir hatten seit über zehn Jahren einen zuverlässigen Subunternehmer für die Montage und seit über 40 Jahren mit ALNO unseren Hauptlieferanten für die Küchen. Die ersten Jahre ging ja auch noch alles gut und ich habe ein verhältnismäßig normales Leben geführt und habe auch noch Urlaub machen können. Zuletzt 2016 nach Antwerpen, auch wenn es nur ein verlängertes Wochenende war. Obwohl sich mein Vater schon vorher praktisch von Mai bis Oktober auf seinem Segelboot aufgehalten hat. Aber 2017 war auch das Jahr wo alles anfing den Bach herunterzugehen wenn man mal von dem Krankenhausbesuch in Antwerpen wegen einer Zecke absieht.

Vorher beschränkten sich die Probleme auf so kleine Episoden wie den Mann den wir eingestellt haben um rund ums Haus für Ordnung zu sorgen. Er sollte dann die Hecke schneiden und das Trauerspiel konnte ich mir nicht lange ansehen. Er hat quasi jedes Ästchen alleine zum Häcksler getragen und das auch noch im Schneckentempo und alles völlig ohne Plan, außer dass er mir ein Loch in die Häcke geschnitten hat. Also - Rauswurf am ersten Arbeitstag.

Das war aber eher lustig als gefährlich, das fing dann erst später an. Im Frühjahr 2017 waren die Lieferungen von ALNO nicht mehr vollständig und die Situation verschlimmerte sich ständig. Als INTJ habe ich da natürlich vorausgesehen das da was passieren kann und so hat mich die Insolvenz von ALNO zwar hart getroffen, aber eben nicht unvorbereitet. Es war zwar viel Arbeit, aber ich konnte die ganzen offenen Kundenaufträge entweder auf einen anderen Lieferanten umstellen oder habe die fehlenden Teile aus allen möglichen Quellen besorgt. Und wir kamen finanziell auch mit einer Null aus der Aktion heraus. Wir hatten ja frühzeitig die unvollständigen Lieferungen auch nicht vollständig bezahlt und ich konnte mich später mit dem Insolvenzverwalter auf eine Zahlung einigen die meine Kosten abgedeckt hat. Theoretisch hätte ich vielleicht auch gar nichts zahlen müssen weil der Verwalter nie erklärt hat ob er die Aufträge überhaupt noch ausführen will oder nicht, aber vor Gericht kann halt alles passieren und es wäre noch viel mehr Arbeit geworden das auszufechten. Also sich lieber auf einen Abschlag einigen und gut ist.

Aber dann schlug gleich die nächste Bombe ein: Unsere Montagefirma kündigt den Vertrag und hört auf. Man muss also innerhalb von drei Monaten jemand anderen finden während gleichzeitig ja die ganze Ausstellung neu geplant werden musste, denn mit dem Wegfall von ALNO musste ja auch eine neue Ausstellung mit unseren neuen Lieferanten her. Die Kurzversion: Die neue Firma war eine Katastrophe und wir haben uns ein knappes Jahr lang nur herumgeärgert und gestritten.

Ich hatte eigentlich alles schön durchgeplant. Der Montagekalender war noch für die vorherige Firma geplant und ich hatte auch Zeit vorgesehen um die Ausstellung leerzumachen. Aber schon in der ersten Woche hat die Firma doppelt so lange gebraucht wie geplant und damit wurde alles hinfällig. Ich habe also über Nacht noch nach anderen Montagefirmen gesucht. Vor allem weil die Firma auf einmal damit kam dass sie als Luxemburger Firma nicht in Deutschland montieren könnte. Das Geschäftsverhältnis war noch keine zwei Wochen alt und schon völlig im Eimer. Ich musste dann ziemlich massiv werden von wegen Schadenersatz wegen Nichterfüllung und so. Den Abbau der alten Musterküchen habe ich dann mehr oder weniger improvisiert mit jedem den ich bekommen habe.

Und natürlich lief bei diesem Umbau auch danach fast alles schief. Im Vergleich hat der Umbau davor (2007) sechs Wochen gedauert vom Herausreißen der Wände über das Legen des Bodens bis zur Fertigstellung und ein Trupp von ALNO hat das alles gemacht. Diesmal mussten wir uns um den Abriss und den Boden selbst kümmern und es war schon ein Krampf überhaupt ein paar Mann für den Abriss zu bekommen nachdem die Montagefirma dafür ja ausgefallen war. Das ist so ein zentraler Punkt warum die Welt nicht für INTJs gemacht ist. Als ENTJ kennt man Heerscharen von Menschen die alles für einen machen können. Als INTJ kann ich zwar selbst alles, aber dafür ist meine Kontaktliste erschreckend kurz. Über meinen Onkel habe ich dann Leute bekommen und die Ausstellung war pünktlich leer. Und was war dann? Am Montag sollte der Boden angeliefert werden und es kamen nur zwei Paletten. "Und wo ist der Rest?" "Ist nicht lieferbar." Dabei war ja bereits alles terminiert und geplant, von dem Montagetrupp für die Stellwände bis zur Anlieferung der Ware und die ließ sich auch gar nicht mehr verschieben. Also mal wieder INTJ-Krisenmanagement. Damals habe ich Sprüche aufgewärmt wie: "Wie isst man einen Elefanten? In kleinen Scheiben!" Wenn man vor so einem riesigen Haufen Problemen steht dann kann man nur noch ein kleines Problem nach dem anderen lösen weil es ja in so einer Situation unmöglich wird, die Lösung für alles zu finden die alle Probleme auf einmal mit maximaler Effizienz löst. Das ist ja auch so eine INTJ-Eigenschaft. Man teilt also das Problem auf und muss nur darauf achten dass man sich für später nichts verbaut.

Und bei dieser ganzen Aktion hat sich auch gezeigt, dass man als Sigma (also weder Alpha-Typ noch Beta) auf verlorenem Posten steht. Es sollte noch schlimmer kommen, aber im Prinzip kann man sagen dass ich meine Angestellten viel zu gut behandelt habe. Wenn man nur eine Handvoll davon hat dann behandelt man sie gut weil ein Verlust ja nur schwer zu kompensieren wäre und es sowieso immer schwieriger wurde Ersatz zu finden. Also habe ich ihnen viel durchgehen lassen. Der eine Verkäufer - nennen wir ihn den Ignoranten - hat die Vorgaben wie er die Aufträge zu bearbeiten hat einfach hartnäckig ignoriert und so gehandelt als wäre er selbst der Chef. Und der andere war furchtbar behäbig, sofort überfordert und hat vieles umständlich gemacht. Aber ich war eben gutmütig und habe nicht den Chef heraushängen lassen und meinen Willen durchgesetzt. Das machen Alphas - da gibt es keine Widerrede, deren Wort ist Gesetz.

Aber Sigmas sind eben nicht so. Führung im Sinne von Strategien und Lösungen zu finden, das ist kein Problem. Aber bei der Zusammenarbeit ist man eben auf Menschen angewiesen, die eigenständig und ohne Druck von oben arbeiten können. Und das sind eigentlich nur andere Sigmas. Mit den allgegenwärtigen Betas geht das einfach nicht. Aber das ist mir leider erst viel später bewusst geworden: Betas wollen von einem Chef tyrannisiert werden. Sie sind loyal zu ihm wenn er mit harter Hand die Linie vorgibt. Erwartet man als Sigma eigenständiges, unabhängiges Handeln, dann wird man als schwach wahrgenommen. Ich habe vor ein paar Tagen erst eine Besprechung des Films "Master and Commander" gesehen und da hat der Midshipman genau das gleiche Problem. Als Kapitän muss man hart sein und die Disziplin eisern durchsetzen, anders kann man den Respekt und die Loyalität seiner Besatzung nicht gewinnen. Stimmt schon. Wenn ich das damals alles gewusst hätte ... und dann ist ja das Problem mit dem Kind und dem Lolli: Mein Vater hat die Leute ja eingestellt und wenn ich später dann die Daumenschrauben andrehe, dann ist ja die Gefahr dass die Leute abhauen. Man kann einem Kind den Lolli halt nicht wegnehmen. Aber das stimmt: Wir haben später versucht, Monteure von der Konkurrenz abzuwerben. Der Eigentümer ist ein typischer Alpha und ein Tyrann und zahlt seinen Leuten auch noch weniger. Aber die Leute bleiben loyal. Als Sigma kann man so was einfach nicht verstehen. INTJs als typische Sigmas haben ein Problem mit Menschen, die ihre Autorität in den Vordergrund stellen ohne das mit Kompetenz zu hinterfüttern. Autorität alleine ist bedeutungslos, ob wir jemanden respektieren oder nicht hängt alleine von seiner Qualifikation ab.

Und was sich die Verkäufer geleistet haben: Der Ignorante hat einem fliegenden Teppichhändler aus Mönchengladbach (!!!) ohne irgendjemanden zu fragen eine Küche für über 20.000 Euro verkauft und geliefert. Die der Mann natürlich nicht bezahlt hat. Einen Vollstreckungstitel bekommt man zwar, aber wenn das Ergebnis der Eidestattlichen Versicherung "Ich habe kein Geld, wohne bei meinen Eltern und bekomme ein Taschengeld" ist, dann schaut man in die Röhre. Und egal was man dann macht, macht man es falsch. Herausgabe der Küche ist zwar vielleicht möglich, aber mit einer gebrauchten Küche macht man ja auch nichts mehr. Und ich hatte die Idee, den Hausbesitzer (dem Namen nach wohl sein Sohn oder naher Verwandter) auf Zahlung zu verklagen, denn die Küche gilt ja manchmal als Gebäudebestandteil und das wäre ja so eine Art von Bereicherung. Und natürlich hat mein Anwalt hier aus dem Ort alles vergessen was er mal früher im Jura-Studium gelernt hat. Wenn ich einmal nicht alles selbst mache und professionelle Hilfe zurückgreife, dann sollte mein Anwalt auch wissen was "Subsidarität der Nichtleistungskondiktion" bedeutet. Hat er aber nicht: das Geld ist futsch und ich hatte noch zusätzliche Kosten obendrauf.

Jedenfalls war es so, dass während ich ständig an der 100-Wochenstundenmarke gekratzt habe, meine Verkäufer sich im Obergeschoss ein provisorisches Büro eingerichtet haben und während der dreieinhalb Monate des Umbaues eigentlich nur Kaffee getrunken haben. Und auch ein subtiler Hinweis auf Karoshi (Tod durch Überarbeitung) meinerseits hat natürlich nichts gebracht. Ich hatte ja schon im Herbst in der bereits teilweise abverkauften Ausstellung mit einer Packung Lebkuchenherzen und Musik gesessen und bis spät in die Nacht Musterfronten, Küchenentwürfe und Ausstellungskojen zugeordnet um ein rundes Konzept zu bekommen. Natürlich alleine, denn sonst hat sich niemand dafür interessiert. Das Ergebnis findet nachher jeder toll, aber bei der Entstehung mithelfen wäre ja mit Arbeit verbunden.

Auf der Plus-Seite muss man sagen, das ich als INTJ in der Lage bin etwas zu schaffen was sonst wohl kaum jemand schaffen dürfte. Der erste Entwurf des Ausstellungsplans stammte zwar von einem Architekten, aber unter anderem weil dieser auf meine Änderungswünsche nicht eingegangen ist habe ich ihn mit einem goldenen Handschlag ausgebootet und den Stellwandbau direkt mit dem Küchenhersteller gemacht. Ich hatte eine Vision und die habe ich umgesetzt und die Ausstellung wurde die schönste die wir je hatten. Aber das bedeutete auch, ständig allen Beteiligten auf die Finger zu schauen und gleichzeitig viel selbst zu machen. Das ist Stress pur. Und ich habe mindestens einen Zusammenbruch bekommen wenn etwas dann nicht so gemacht werden konnte wie ich mir das vorgestellt hatte. Und sich die Leute geweigert haben den Mist wieder komplett auseinanderzubauen und richtig wieder zusammenzubauen. Anders als früher wo die Pläne nie richtig gestimmt haben hatte ich einen zentimetergenauen Plan, den man eigentlich nur hätte befolgen müssen. Und ja klar: Es kam nicht nur zu wenig Boden, sondern auch zu wenige Stellwände und damit wurde auch das Zeitfenster für das das Montageteam zur Verfügung stand überschritten. Im Endeffekt standen wir monatelang ohne Umsätze da.

Jedenfalls ist an dem "Car-Model" von Personalityhacker etwas dran. Normalerweise sind die ersten zwei Denkfunktionen auf den Vordersitzen am Steuer, das sind bei mir ja Introverted Intutition und Extroverted Thinking. Aber wenn alles den Bach runtergeht, dann sind die Kinder vom Rücksitz am Steuer und das sind Introverted Feeling und Extroverted Sensing. Und das ist nicht schön. Es müssen schon ziemliche Extremsituationen sein die so etwas auslösen, aber wenn man irgendeine Vorstellung abschreiben muss weil es nicht mehr umsetzbar ist dann gehört das dazu.

Das Ausstellungsproblem ging also nahtlos in den Zoff mit der Montagefirma über. Das ist natürlich klar, dass sie mit den pauschalen 10% nicht hinkommen wenn sie für die Montage doppelt so lang brauchen wie die vorherigen Monteure. Sie waren dauernd unzufrieden und haben ständig versucht für irgendwelchen Mehraufwand zusätzliches Geld zu bekommen und deshalb war es klar dass sie den Vertrag direkt wieder zum Jahresende gekündigt haben. Wir konnten dann den Vorarbeiter der ursprünglichen Montagefirma überreden bei uns anzufangen und wir haben dann noch weitere Monteure gesucht. Nur bekommt man ja keine, wir haben dann zwei Quereinsteiger - einen Koch und einen Bäcker - genommen weil das die Einzigen waren die sich gemeldet haben. Und man hätte es nicht besser erfinden können: Am Tag als die erste Küche montiert werden sollte meldet sich der Vorarbeiter krank und ich musste mit den beiden Neulingen montieren fahren. Im Prinzip wusste ich ja wie es geht, aber real montiert hatte ich da vielleicht mal fünf Küchen oder so. Und natürlich war das eine richtig komplizierte Küche die nicht im Winkel war und noch dazu mit einer Arbeitsplatte die in die Fensternische gehen sollte. Es hat dann natürlich nicht geklappt, weil dem einen Neuling prompt die Tauchsäge aus der Führung gesprungen ist und die erste Arbeitsplatte beschädigt hat, derweil habe ich die Sache mit Winkel und Fensternische nicht hinbekommen und die zweite Platte verschnitten.

Jedenfalls hat sich das Personalproblem dann immer weiter fortgesetzt. Ursprünglich bin ich natürlich irrigerweise von mir ausgegangen: Wenn jemand mal zwei Monate Küchen montiert hat, dann sollte er das auch selbstständig können wenn bei mir mal gerade eine Handvoll gereicht hat. Aber in der Praxis hat wohl der Vorarbeiter sehr viel selbst gemacht und bei den "niederen" Tätigkeiten wie Ein- und Ausladen hat er die anderen schaffen lassen und hat Kaffee getrunken. Aber was will man machen wenn man eben keine Alternative hat?

Im Herbst 2019 hatte ich dann auch endlich eine Bewerberin für die Stelle des Assistenten der Geschäftsleitung. Es war ja klar, dass wenn sich mein Vater zunehmend zurückzieht ich nicht alles selbst machen kann und jemanden brauche, der mir im Verkauf und im Management hilft. Ich habe die Bewerber auch immer den Persönlichkeitstest machen lassen und hier muss ich gestehen, dass ich selbst auf Wizards First Rule hineingefallen bin. Obwohl beim Test ISFJ oder so was herauskam, habe ich gehofft das das nicht stimmt und es sich vielleicht doch um einen Intuitiven mit Elan und Vorstellungskraft handelt. Vielleicht habe ich mich auch vom Äußeren blenden lassen - nennen wir sie Frau Tausendschön. Ich habe sie jedenfalls eingestellt für 4.000 Euro Bruttogehalt. Ein paar Wochen vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn habe ich sie dann zum Eingewöhnen mit auf die jährliche Küchenmesse genommen. Ich habe sie morgens abgeholt und habe in der ersten Stunde wie ich so eben bin alles mögliche um die Situation und den Job erzählt. Dann aber kam von ihrer Seite aus - nichts. Und sich drei Stunden anzuschweigen ist eine sehr seltsame Autofahrt. Obwohl alle Außendienstler denen ich sie als Neueinsteigerin vorgestellt habe sie aufgefordert haben Fragen zu stellen - nichts. Stumm wie ein Fisch. Wie soll man aber das Produkt kennenlernen wenn man keine Fragen stellt? Abends im Hotel konnte ich durch die Wand hören wie sie mit ihrem Freund telefoniert hat, reden konnte sie anscheinend schon. Am letzten Tag wollte ich mit ihr dann nochmal alleine durch die Häcker-Küchenausstellung gehen damit sie ohne jemand dritten sich alles in Ruhe ansehen könnte und mich alles fragen kann was sie nicht weiß. Und dann noch das Buffet plündern und heimfahren. Aber sie wollte dann lieber im Auto warten und ich sollte nur was essen gehen. Äääähm?

Das war kann ja klar, dass ich sie herauswerfen musste bevor die Arbeit überhaupt begonnen hat. Jemand, der ausdrücklich "Verkauf" mit im Arbeitsprofil stehen hat und sich auch vom Verkauf kommend beworben hat und der den Mund nicht aufbekommt und gar kein richtiges Interesse am Produkt zeigt? Das geht gar nicht. Wundert es wen, dass ich just an diesem Wochenende einen Bandscheibenvorfall bekommen habe und seitdem mein Genick knackt? Als ich dann mal irgendwann einen Termin beim Orthopäden bekommen habe (ursprünglich wegen Kniebeschwerden) stellte sich heraus, dass ich an Vitamin D-Mangel leide. Kein Wunder bei so viel Arbeit und so wenig Sonne.

Nach einem Jahr hat der Bäcker dann ständig krankgefeiert. Er hat ja erzählt dass er gerne Downhill-Mountainbike fährt. Aber durch eine Dummheit hat er sich krankgemeldet weil er sich angeblich bei der Arbeit verhoben hätte während auf dem Krankenschein (er war natürlich so dumm und hat seine Ausfertigung bei uns abgegeben) etwas von "Prellung" stand. Und dann musste ich ihn von der Baustelle abholen weil der Koch ihn angeblich geschlagen hätte. Da war er noch munter, am nächsten Tag hatte er angeblich eine Gehirnerschütterung von der Ohrfeige. Da blieb nur noch die fristlose Kündigung zumal er zwischendurch auch noch an genau dem Tag krank war wo es irgendwo einen Wettbewerb gab. Dem Koch hatten wir zu dem Zeitpunkt schon ein paar tausend Euro geliehen, unter anderem weil er seine Geldstrafe für eine Alkoholfahrt nicht bezahlen konnte und eine Einbestellung ins Gefängnis hatte. Das hätte auch nicht besser laufen können: Wir leihen ihm das Geld, und während es auf dem Konto liegt greift das ein anderer Gläubiger mit einer Kontopfändung ab. Und weil die Menschen halt zu so etwas nicht in der Lage sind – wer Schulden hat ignoriert die in der Regel, vielleicht gehen sie ja von alleine weg (!) - habe ich dann bei der Staatsanwaltschaft angerufen und eine Ratenzahlung verhandelt und die Raten direkt vom Lohn einbehalten damit sie auch wirklich gezahlt werden. Wir mussten ihm dann auch mindestens zwei Motorräder kaufen, das erste hatte schon nach ein paar Kilometern einen Zylinderschaden. Aber man behandelt seine Leute halt zu gut.

Also wieder neue Leute suchen. Es meldete sich dann ein Marokkaner und das war die krasseste Geschichte die ich je erlebt habe. Das ging los als er bei der Freitagstour mit dem eigenen Auto fahren wollte um zum Freitagsgebet zu kommen (davon hat er natürlich vorher nichts gesagt). Weil das aber eine Kleinteiletour war kam er bei jeder Baustelle erst an als die anderen schon fertig waren. Und dann haben sie sich anderentags so gezofft, dass ich ihn vor die Wahl gestellt habe, dass er entweder sich entweder zusammenreißt und mit den anderen verträgt oder kündigen soll. Nur weil er denkt dass er der Beste Monteur aller Zeiten ist kann ich ihn ja schlecht behalten und dafür einen der vorhandenen rauswerfen wenn die ihm das nicht abnehmen. Das wollte er aber nicht und als ich ihm dann gekündigt habe (leider hatte ich zwei Wochen in der Probezeit vereinbart) war er am nächsten Tag krank und kam nicht wieder. Dieser Krankheit hatten wir ja schon und ich sollte ihr noch ein paar Mal begegnen.

Für die Zwischenzeit ging es dann auch mit zwei Monteuren, wobei sich der Koch ja einer sehr labilen Gesundheit erfreut hat. Und das ist ja kein Zustand wenn man ständig fürchten muss dass die Montage platzt weil ja wieder einmal jemand krank ist. Irgendwann hat sich dann ein Rumäne gemeldet und den habe ich sofort eingestellt. Ach so: Mein Plan, das Dreimannteam im Falle von hohem Arbeitsanfall aufzuteilen und zwei Leute eine Küche montieren zu lassen während der Dritte mit dem neuen Servicefahrzeug Reklamationen abarbeitet ist natürlich auch geplatzt, weil es keine Konstellation gab in der das funktioniert hätte. Also bin ich selbst mit den Reklamationen herumgefahren. Und natürlich war mein Vater im Sommer wieder im Urlaub und ich habe durchgearbeitet.

Aber es halt halt noch irgendwie funktioniert. Auch wenn der Rumäne zwischendurch mal angeblich gemobbt worden ist und sich zu Fuß auf den Weg nach Hause gemacht hat. Nur das das so 60 Kilometer waren. Er ist dann aber irgendwo abgeholt worden, aber das Problem blieb dass meine Leute um das einmal so zu sagen einfach nicht die Creme de la Creme der Monteure waren und sich gegenseitig dafür verantwortlich gemacht haben.

Auf der anderen Seite kam die neue Ausstellung ja gut an und die Verkäufe haben auch gestimmt. Bis dann Ende 2019 Corona ausgebrochen ist und wir den Laden wegen des Lockdowns für Monate schließen mussten und während dieser Zeit natürlich auch nichts verkauft werden konnte. Auch hier waren wir wieder zu großzügig. Wir haben die Leute zuerst mal auf negatives Überstundenkonto arbeiten lassen und ihnen den vollen Lohn bezahlt während sie zu Hause geblieben sind. Die Begründung war ja, dass im Herbst wenn der Lockdown vorbei ist ja viel nachgeholt werden sollte. Schlussendlich blieb es bei zwei Wochen Kurzarbeit. Aber gerade als es dann August wurde und ich meinen Vorarbeiter auf sein Versprechen der Sechs-Tage-Wochen einlösen wollte reicht der mir die Kündigung mit vier Wochen Vorlauf ein. Er wollte lieber Gemeindearbeiter werden.

Der Rumäne und der Koch haben bis dahin immer noch nicht eigenständig montiert und man war der Meinung dass es vielleicht nur am Vorarbeiter lag, dass er sie nicht hat machen lassen. Also bin ich selbst mitgefahren mit der Vorstellung dass nach ein, zwei Monaten die zwei alleine montieren könnten. Wie gesagt: als INTJ, nicht ganz hochbegabt, aber auf jeden Fall mit handwerklichem Talent bekommt man ja alles hin. Auch die Küchenmontage. Und auf einmal gingen die Reklamationen spürbar zurück. Ich habe zwar länger gebraucht aber dafür war alles wesentlich besser und genauer montiert als vorher. Weil ich mich ja der Illusion hingegeben habe, das man die zwei Monteure nur mal machen lassen muss damit sie es lernen habe ich sie eine Winzküche montieren lassen bei der sich drei Leute sowieso nur in den Füßen gestanden hätten. Dann gab es da eine Reklamation, aber das sollte noch dauern.

In der Zwischenzeit hat sich auf eine erneute Stellenanzeige (diesmal für einen Vorarbeiter) ein Deutsch-Kasache gemeldet, der sogar schon mehrere Jahre Küchenmonteurserfahrung hatte. Und wir haben die Vorarbeiter ja gut bezahlt, 19,50 Euro Stundenlohn plus Firmenfahrzeug ist ja schon mal eine Hausnummer. Die Woche in der der Kasache angefangen hat war mal wieder so typisch: Zuerst montieren wir eine Küche und dabei schleppen meine zwei Monteure alleine die große Granit-Inselplatte rein ohne mich zu fragen, ich hätte natürlich geholfen. Prompt ist der Rumäne am nächsten Tag und für den Rest der Woche rückenkrank. Die Küche montiere ich dann mit dem zweiten Mann am nächsten Tag fertig und am Tag darauf fängt der Kasache an was auch gut ist weil sich der zweite Monteur dann auch krankgemeldet hat. Ich also wieder alleine mit einem Neuling.

Weil ich dann ja wieder drei Mann hatte dachte ich, dass ich jetzt nur noch Aufsicht führen müsste. Nach zwei Monaten tagsüber auf Montage und abends im Büro war ich auch schon arg überlastet, außerdem können vier Mann ja gar nicht gleichzeitig an einer Küche montieren. Aber da lag ich mal wieder falsch. Es gab eine Küche bei der ich wegen dringenden Terminen erst mittags auf die Baustelle kommen konnte und da hatte der Kasache schon seine zweite Arbeitsplatte innerhalb von ein paar Tagen verschnitten. Und bei einer weiteren Küche hatte mein Verkäufer totalen Mist gebaut und nicht gesehen dass die Küche so total außer Winkel war das man die Küche gar nicht rechtwinklig aufstellen konnte. Dadurch ist der Plan natürlich komplett aus den Fugen geraten und während ich mich dann für den Rest der Woche um die schiefe Küche gekümmert habe haben die anderen alleine die Küche montiert die ursprünglich geplant war. Es gab also drei Küchen die ohne mich montiert worden sind und ich durfte alle drei Küchen wegen der Reklamationen praktisch wieder komplett auseinander- und neu zusammenbauen damit der Kunde sie abgenommen hat. Und es gab noch eine vierte Gelegenheit wo in einem Mietobjekt zwei gleiche Küchen parallel montiert wurden. Die die ich montiert habe war in Ordnung. Die andere - ohgottogott.

Der Kasache ist dann im gegenseitigen Einvernehmen zum Jahresende 2020 gegangen weil sich herausgestellt hat dass er kräftig schielt und deshalb seine Maße gerne mal ein paar Millimeter daneben waren und er dem Job auch einfach nicht gewachsen war. Beziehungsweise ich brauche ja keine drei Hilfskräfte sondern eben einen der den Job auch kann.

Die Situation war dann zum Jahreswechsel 2020/21 zwar nicht schön, aber immer noch stabil. Jetzt wo ich es aufgegeben habe irgendjemanden irgendwas unbeaufsichtigt montieren zu lassen klappte ja die Montage. Es war für mich zwar wieder Stress pur weil man ja nicht wirklich gleichzeitig selbst die komplizierten Arbeitsschritte machen kann während man darauf aufpassen muss dass die Hilfskräfte keinen Mist bauen, aber es ging halt irgendwie. Nach der Zeit hatte ich mich auch richtig eingearbeitet und den ganzen Ablauf optimiert, INTJs sind halt so. Zum Beispiel geht es mindestens so schnell und ist viel genauer wenn man die Unterschränke mit dem Linienlaser ausrichtet. Dann kam aber dazu, dass der ältere Verkäufer (der Ignorante) zum Ende Mai in Ruhestand gehen würde. Ich hatte zwar eine Frau an der Hand die als Nachfolgerin in Frage kam, aber dazu kam es nicht mehr. Weil der zweite Verkäufer (der Behäbige) mir dann plötzlich Ende Januar die Kündigung in die Hand gedrückt hat. Literaturreife Steigerung? Ja klar.

Die Begründung war auch so haarsträubend. Er hätte Angst bekommen, mit Mitte 50 keinen Job mehr zu bekommen wenn wir zumachen würden und hätte sich kurzerhand in Luxemburg beworben und die Stelle als technischer Zeichner direkt angenommen. Ohne mir ein Wort vorher zu sagen natürlich. Dabei hätten wir, selbst wenn wir angesichts der Situation ans Aufhören gedacht haben die Leute natürlich weiterbeschäftigt bis sie einen neuen Job gefunden hätten. Als Küchenverkäufer keine neue Stelle mehr zu finden ist natürlich Käse, wie mein Vater (mit über 70) gesagt hat: Wenn er sich in seinem Alter als Küchenverkäufer mit jahrzehntelanger Erfahrung bewerben würde hätte er innerhalb von einer Stunde eine Stelle. Jedenfalls gab es eine hitzige Diskussion in der ich dem Verkäufer an den Kopf geworfen habe "Danke, du hast die Firma jetzt umgebracht". Und klar: nach der Diskussion hatte der Verkäufer natürlich die Kündigungskrankheit und ist für den Rest der vier Wochen nicht mehr erschienen.

Inzwischen hatte sich die Situation mit dem älteren Hilfsmonteur (dem Koch) weiter zugespitzt. Er hat mich gelinde gesagt betrogen. Er hat sich wohl von seiner Freundin samt Kind getrennt und musste umziehen. Dann hat er mich (zu den 5.000 Euro Kredit die er schon hatte, unter anderem für die Geldstrafe) nochmal um 3.000 Euro für die Kaution von der neuen Wohnung gefragt und ich bekäme die zurück wenn er die Kaution von der vorherigen Wohnung zurückbekäme. An dem Tag war ich wohl nicht besonders gut drauf und irgendwo auf Montage und musste das telefonisch machen. Jedenfalls habe ich mir eine Abtretung für die alte Kautionsforderung geben lassen und nicht hinterfragt dass 3.000 ja viel zu viel für eine Kaution sind. Jedenfalls hat er nur einen Bruchteil für die Kaution ausgegeben, den Rest benutzt um irgendwelche Rechnungen zu bezahlen und die alte Kaution waren nur 700 und die hat der Vermieter wegen Schäden auch nicht herausgerückt. Das Geld war also weg, von wegen "ist nur für einen Monat". Wenn das nicht mal glatter Betrug ist.

Aber wenn man schon zwei Abgänge hatte und der Verkauf ja weiterlief kann man ja auch nicht kündigen. Wir hatten eine Vereinbarung mit unserem Pleite-Ex-Koch dass er seine Schulden in Raten vom Lohn abbezahlt. Bei der Summe hätte das natürlich Jahre gedauert, vor allem weil er ja eine Lohnpfändung laufen hatte. Aber mit dem Rest kam er aber natürlich nie aus und wollte zwei- dreimal pro Monat einen Vorschuss. Und fing dann mit Lohnerhöhung an. Dabei hat er schon 17 Euro die Stunde bekommen und das ist für einen erfahrenen Monteur angemessen, nicht für eine Hilfskraft. Wir konnten ja nichts dafür dass nach den Raten nicht viel übrig blieb. Das gipfelte dann Anfang März in seiner Ankündigung, kündigen zu wollen. Mal abgesehen davon dass er wegen der vier Wochen zum Monatsende ein paar Tage zu spät dran war.

Jedenfalls hat sich der Rumäne dann krankgemeldet und ich hatte noch eine Küche fertigzustellen. Er wollte dann selbst mit dem Motorrad zur Baustelle kommen. Ich war pünktlich da, aber von ihm war keine Spur zu sehen. Ich habe dann alleine angefangen und konnte ihn dann irgendwann am Telefon erreichen. Er sei von der Polizei angehalten worden, hätte einen Strafzettel bekommen und das Motorrad hätten sie ihm stillgelegt. Er müsste jetzt 70 Euro per Sofortüberweisung bekommen damit er weiterfahren könnte. Was hätte man in so einer Situation tun sollen? Er war schon mit tausenden Euros bei uns verschuldet, hat angekündigt zu kündigen und will nochmal Geld? Nada. Wie zu erwarten ist, kam er nicht mehr, hat die Kündigungskrankheit bekommen und daraufhin habe ich ihn im Gegenzug fristlos rausgeworfen. Ich zahle doch für so jemanden nicht noch den Lohn weiter.

Damit blieb mir nur noch der Rumäne, der Ignorante bald-Rentner als Verkäufer und meine Eltern. Zu dem Zeitpunkt haben wir (es war ja schon wieder Teil-Lockdown mit Verkauf nur mit Termin) unser Verkaufskonzept radikal geändert. Verkauf nur noch mit Termin und gegen eine Schutzgebühr. Personell so geschwächt können wir ja den normalen Umfang sowieso nicht mehr bewältigen und es uns gar nicht mehr leisten stundenlange Beratungen für lau zu machen. Und was passiert? Da der Bald-Rentner ja seinen jahrelang angesparten Resturlaub genommen hat hat mein Vater die Beratungen gemacht und dabei trotz oder wegen der Schutzgebühr eine 100% Erfolgsquote eingefahren. Das gehört so zu den Sachen über die man jahrzehntelang immer gesprochen hat aber die man sich nie getraut hat. Erst in so einer Extremsituation wenn einem sonst alles egal ist dann macht man das und stellt fest das das sogar funktioniert.

Wie heißt der Spruch? "Zuerst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu"? Ich hatte bislang in meinem ganzen Leben genau eine Reifenpanne, und dann gleich zwei hintereinander mit dem Servicewagen - das ist auch etwas blöd wenn man mit dem Ersatzreifen unterwegs ist und dann ist der nächste Reifen auch noch platt. Und jetzt weiß ich auch wie sich ein kaputtes Thermostat im Auto auswirkt: man fährt quasi im Schritttempo den Berg hoch und muss trotzdem noch anhalten weil der Kühler kocht. Ich kannte das bisher nur aus 60er-Jahre Urlaubsfilmen.

Und was mir meine Verkäufer hinterlassen haben: Nachdem der Ignorante in Rente gegangen ist hatte er Termine in unserem Montagekalender auf bestimmte Tage eingeplant. Wir laden die Küche auf, fahren an dem Tag zum Kunden - und der Kunde weiß von nichts weil noch nicht mal der Estrich drin ist. Ich hatte mich immer schon gewundert warum der an sich volle Plan auf einmal immer so große Lücken bekommen hat - obwohl ich gesagt habe dass man nur verbindliche Termine eintragen soll haben meine Verkäufer frei nach dem Motto "jeder ist sich selbst der nächste" einfach auf Verdacht Termine eingetragen. Hauptsache es sind für ihre Küchen Termine da. Sie brauchten sich ja nicht darum zu kümmern wenn die dann kurzfristig abgesagt werden. Und eben in dem Fall noch schlimmer: Einen Termin eintragen von dem der Kunde gar nichts weiß und auch nirgendwo festhalten dass das so ist. Ich war halt viel zu gutmütig und hätte dem von vornherein mit äußerster Härte einen Riegel vorschieben müssen.

Aber zurück zur Montage: Ich war jetzt mit dem Rumänen alleine und vom Prinzip hat das sogar gut funktioniert. Nur einer auf den ich aufpassen muss. Es dauert zwar vielleicht länger, aber grundsätzlich war es ja zu machen. Nur dass der Rumäne da nicht mitspielen wollte. Auf einmal wurde er kränklich und ließ sich für zwei Wochen wegen Rückenbeschwerden krankschreiben. Natürlich hat er mir das nicht rechtzeitig gesagt sondern ich hatte eine Küche eingeplant und aufgeladen, stehe auf dem Hof und warte ... und er kommt nicht. Erst nach zwei Stunden bekomme ich ihn ans Telefon und er meldet sich krank. Für den Tag konnte ich die Montage noch absagen, für den nächsten Tag musste ich dann alleine dort hin und mir vom (ebenfalls Rückenkranken, aber eben netten) Kunden helfen lassen die großen Teile hochzutragen. Während ich auf Montage war, war der Rumäne mit seiner Familie in der Firma um die Krankmeldung abzugeben. Dabei hat er seinen Sohn hochgehoben ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. So sehen also Rückenkranke aus. Jedenfalls war das der Anfang vom Ende. Wir haben uns daraufhin geeinigt dass wir zum Ende Juni das Arbeitsverhältnis beenden. Und was war? Natürlich wurde er nicht mehr gesund. Im Gegenteil ist er fluchtartig nach Rumänien abgehauen und hat (wie wir das später erfahren haben) seine Wohnung einfach so zurückgelassen wie sie war.

Und ach so, der Koch: Nachdem er bei uns rausgeflogen ist hat er großspurig auf Facebook verkündet, dass er jetzt bei dem Edel-Möbelhaus im Nachbarort arbeiten würde. Nur haben wir später erfahren, dass sie ihn dort nicht mal eine Woche behalten haben ...

Ich stand also jetzt mal wieder mit dem Rücken zur Wand und gerade rechtzeitig konnten wir über einen Außendienstler einen Kontakt zu einer Montagefirma herstellen. Die ist zwar von etwas weiter weg, aber da gibt es ja wenigstens nicht das Problem mit Luxemburg wo die Lohnnebenkosten um Größenordnungen niedriger sind und sich damit in Deutschland unbezahlbare Nettolöhne ergeben. Schließlich hatten wir ja noch 70 Küchen zu montieren. Zuerst ließ sich das auch gut an. Bei den Bedingungen konnte ich nicht wählerisch sein auch wenn das hieß dass sie nur die Montage und keine Reklamationen machen würden. Also mache ich die halt selbst. Nur schaut man sich dabei die Küchen dann etwas genauer an als als Verkäufer bei einer Abnahme und es war just an diesem 14. Juli wo ich die am drittschlechtesten montierte Küche meiner Karriere vor mir hatte. Ursprünglich hätte ich bei dieser Küche nur Glas-Rückwandplatten montieren sollen, aber ich habe dann einen Dreivierteltag damit verbracht die Küche neu auszurichten und alle möglichen Fehler zu beseitigen. Die Arbeitsplatte war samt den Schränken nach vorne gekippt, das Induktionskochfeld hatte keine Belüftung, der Sockel war zu hoch ... irgendwann im Nachmittag habe ich dann abgebrochen und gesagt ich müsste nochmal wiederkommen weil ich alleine die Kühlschränke nicht herausgekommen hätte um die andere Seite neu auszurichten. Außerdem hatte ich ja noch einen zweiten Termin und wollte nicht zu spät zu Hause sein. Der lief dann halbwegs normal und ich konnte um sechs Uhr dann nach Hause fahren. Als ich um sieben dann in Neuerburg ankam sah ich das Hochwasser schon gegen die Unterseite der Brücke schwappen was es noch nie gegeben hatte. Eigentlich hatte ich ziemlichen Hunger und wollte was essen, stattdessen sah ich meine Befürchtungen wahr werden dass es richtig schlimm werden könnte.

Zuerst hatte ich den MX-5 meines Vaters noch in der Garage gelassen und nur eine Reihe Sandsäcke davor gelegt. Als das Wasser aber immer höher stieg und das einzutreten drohte was ich mir so viele Jahre zuvor überlegt habe: dass die ganze Senke vollläuft - habe ich das Auto noch herausgefahren und versucht, die wertvollsten und mobilsten Waren aus dem Lager hochzufahren. Viel ging da nicht mehr innerhalb der Stunde oder so die dann noch blieb. Und als das Wasser schon unter den Toren durchlief sah ich zu dass ich da rauskam. Wenn da irgendwas nachgibt (was dann tatsächlich passiert ist) wollte ich nicht von der Flutwelle erfasst werden.

Das ist so einer der Nachteile, ein Intuitiver zu sein: Jetzt im Nachhinein bekommt man richtig Angst was damals hätte passieren können. Wenn ich auf der Baustelle noch länger gearbeitet hätte, dann wäre ich vielleicht gar nicht mehr nach Hause gekommen und meine Mutter wäre mit der Situation völlig alleine gewesen. Dann bin ich auf meiner letzten Runde durchs Lager gegangen während es schon 10 cm hoch stand, keine Ahnung wieviel mehr draußen war. Hätte die Treppenhaustüre zuerst nachgegeben hätte es die Feuerschutztüre wegen des Wasserstandsunterschieds zugedrückt. Oder habe ich meine Mutter deshalb an der Türe postiert damit mein Fluchtweg auf jeden Fall offen bleibt? Ich weiß es nicht mehr. Ich hatte am Tag danach nochmal Glück als ich mich zum Heizungskeller vorarbeiten musste weil neben dem Strom auch das Wasser weg war. Dort hatte das Wasser eine schwere Holzbohle äußerst labil auf dem Kessel zurückgelassen die mir dann auch noch fast auf den Fuß gefallen wäre. Die ganze Aufräumaktion mit einem gebrochenen Fuß? Unvorstellbar.

Und wir hatten es ja schonmal in dem Artikel über ISTPs. Mein Vater hat sich im letzten Herbst ein neues Schiff bestellt, natürlich heimlich und war erst im Frühjahr so dreist um uns zu fragen - wo es nichts mehr zu fragen gab. Und im Juni, als der Rumäne schon weg war musste er unbedingt nach La Rochelle fahren um sein neues Schiff auszurüsten. Und hat dabei meinen Servicewagen mitgenommen wegen dem Werkzeug. Und natürlich hat er nicht eine Woche gebraucht wie angekündigt sondern zwei. Erst nachdem ich mächtig Stunk gemacht habe ist er dann zurückgekommen und hat mir für zwei Wochen geholfen mit dem ganzen Rückstau an Reklamationen fertig zu werden, denn dabei war vieles was alleine einfach nicht gegangen wäre. Länger als vierzehn Tage war er aber nicht hier zu behalten sondern ist danach gleich wieder zum Schiff zurück und war noch in La Rochelle als die Flut kam. Fast alle anderen Menschen hätten bei so einer Nachricht ihren Urlaub abgebrochen und wären nach Hause gefahren um zu helfen. Aber mein Vater nicht. Zwei Tage danach war der Wind günstig und er ist in Richtung Spanien losgesegelt, er will das Boot ja im Herbst in Barcelona haben.

Und seitdem ist Schadenmanagement gefragt. Ich alleine mit meiner Mutter und 1.200 Quadratmetern vollgelaufenem Lager. Dass ich unter diesen Bedingungen überhaupt noch funktioniere dürfte wohl auch meiner INTJ-Persönlichkeit zuzuschreiben sein, ich bin dann halt wieder zurück bei der Problembewältigung in kleinen Scheiben. Die ersten zwei, drei Tage kamen auch noch freiwillige Helfer und wir konnten zumindest außen den Schlamm wegspülen und einen kleinen Teil vom Lager räumen, aber seitdem bin ich auf mich alleine gestellt.

Und das ist wirklich der Fluch, ein INTJ zu sein. Unter solchen Katastrophenbedingungen funktioniert ja nichts wie normal. Man hat ja nicht nur das Wasser im Keller, sondern auch keinen Strom und zeitweise auch kein Wasser. Wenn man irgendwas braucht dann bekommt man das wenn man jemanden kennt der darauf Zugriff hat - einen Müllcontainer und Kipper zum Beispiel. Kennst Du aber keinen, kriegst Du keinen. Man steht auch überhaupt nicht im Fokus und wird vom Rest der Welt vergessen. Der Orthopädieladen hat keine 100 Quadratmeter und es standen 30 cm Wasser drin - und bekommt einen großen Bericht in der Zeitung. Ich hatte zwei Meter Wasser auf einer riesigen Fläche und niemand bekommt etwas davon mit und deshalb bekomme ich auch keine Hilfe.

Nicht das mir freiwillige Helfer viel genützt hätten. Das Problem dabei ist ja wenn man nicht einfach alles unbesehen wegwerfen will - und man muss ja zumindest ein Inventar für die Schadenaufstellung machen - dann braucht man jemand der die Sachen identifizieren kann. Und der einzige außer mir der das kann ist im Urlaub und kommt nicht wieder. Meine Ex-Verkäufer haben das Lager sowieso gemieden wie der Teufel das Weihwasser.

In den ersten Tagen konnte ich außer Bergung auch gar nicht viel anderes machen weil ohne Strom ja kein Telefon und mein Handy hat einen O2-Vertrag der hier im Ort nicht geht wenn kein WLAN da ist. Und danach mussten ja die Kunden benachrichtigt werden dass ihre Küchen untergegangen sind. Man muss meiner Mutter wirklich bescheinigen, dass sich sich als INFP trotz emotionaler Primärfunktion sehr gut zusammengehalten hat. Da wirkt das Car-Model dann umgekehrt und Extroverted Thinking ist am Steuer. Nur bei bestimmten Fragen hatte ich einfach nicht die Kraft mit ihr zu diskutieren - sie wollte die Aufträge nur ausführen wenn alles vorher bezahlt ist. In gewisser Weise nachvollziehbar wenn man jeden Monat die Buchhaltung machen muss und den Außenständen hinterherlaufen muss. Außerdem weiß man ja nicht wer von den Kunden auch untergegangen und deshalb pleite ist und die Ware nachher gar nicht bezahlen kann. Ich habe dann nachgegeben und natürlich hat das so nicht funktioniert.

Ich wollte die zusätzlichen Anzahlungen mit Bürgschaften absichern. Es gibt dafür spezielle Versicherungen und nachdem ich den ganzen Antragswust inklusive Bilanzen abgegeben haben stellt sich heraus dass das in Luxemburg nicht geht. Und das ist ja genau der Grund warum man das macht - Beträge im niedrigen Tausenderbereich sind in Luxemburg nicht einklagbar weil man anders als in Deutschland seinen Anwalt immer selbst bezahlen muss - und die nehmen 300 Euro pro Stunde. Das muss man sich mal reinziehen.

Jedenfalls schwankt man in so einer Situation zwischen Gefühlsextremen hin und her. Auf der einen Seite ist man froh, dass man für den Geschäftsinhalt eine Elementarschadenversicherung hat und geht dann penibel hin und schreibt alles auf was man aus den Trümmern birgt. Auf der anderen Seite ist das Gebäude nicht versichert und die gesamte Elektrik im Untergeschoss samt dem Hauptverteiler und zwei Unterverteilungen ist Schrott und die komplette Hackschnitzelheizung auch. Keine Ahnung wie viel das in Summe wird, irgendwas zwischen 50 und 100.000 Euro. Dann findet man heraus, das zumindest der Aufzug (der auch komplett Schrott ist weil der Triebwerksraum komplett unter Wasser stand) wohl als Betriebseinrichtung gilt und damit versichert ist.

Man freut sich, dass der Hochdruckreiniger den Tauchgang überlebt hat und muss dann wieder improvisieren wenn dieser zwei Wochen später doch noch seinen Geist aufgibt. Die Versicherung ist auch keine Hilfe - die Zentrale erreicht man nicht und das Büro vor Ort hilft auch nicht viel. Mein Lager hat ja zwei Teile: den vorderen Teil in dem das ganze Zubehör gelagert wurde und den hinteren Teil - früher mal als Supermarkt vermietet - wo die ganzen Küchenmöbel gelagert waren. Den vorderen hatte ich nach drei Wochen so ziemlich geräumt, das ging auch alleine. Die ganzen Küchen - die sind eine andere Sache. Ich hatte dann die Idee, mir einen 8-Tonnen-Minibagger mit Sortiergreifer zu mieten, dazu die Montagefirma kommen zu lassen und in drei Tagen hätte man das Meiste ausräumen können. Der Bagger wäre super dafür gewesen die Schränke kleinzumachen und auf den Container zu verladen, denn stapeln geht schlecht. Also mal wieder ein Lichtblick: Baggerfahren hätte als einziges in dem ganzen Mist ja mal Spaß gemacht.

Aber natürlich klappte das nicht, ich bekam die Monteure nur zwei Tage und nur unter Vorbehalt. Und egal wen man gefragt hat - nichts. Es spricht für sich, wenn der Rentner-Ex-Verkäufer, der immer damit getönt hat was er seinem Sohn alles hilft und welche Bäume er mit dem Traktor aus dem Wald zieht natürlich außer "er überlegt sich das" nichts mehr von sich hat hören lassen. Und meine Eltern haben dann ziemlich deutlich gemacht dass diese Aufgabe - ca. 20 Tonnen nasse Küchenschränke aus dem völlig verschlammten Lager zu holen - für mich alleine nichts ist. Also nichts mit Bagger.

Und dann gibt es natürlich die Opportunisten. Nächste Idee: unsere Entsorgungsfirma fragen, die bieten auch Entrümpelungen an. Deren Angebot: 7.000 Euro plus die Müllentsorgung. Pauschal. Und das da der Gutachter sein okay nicht gibt kann ich verstehen. Der Gutachter hat mir dann den Rest gegeben und danach war ich tagelang für nichts mehr zu gebrauchen.

Zum einen hatte ich es hier mal ausnahmsweise mit jemandem zu tun, der mir zumindest ebenbürtig ist. Normalerweise geht es mir ja immer anders, dass ich von wegen fast-hochbegabtem INTJ immer mit anderen Menschen zu tun habe die mir nicht folgen können. Hier liegt aber die Macht beim Gutachter und dann noch das Gefühl unterlegen zu sein - kommt nicht gut. Ich konnte zwar damit punkten dass ich eine Aufstellung eingereicht habe die niet- und nagelfest ist soweit sie komplett ist. Und ich habe mich auch nicht auf eine "wir regeln das jetzt und legen eine Summe X fest" eingelassen - ich weiß ja noch nicht was ich noch übersehen habe wo ich nur ein Drittel real ausgeräumt habe und den Rest nur nach Aktenlage aufgeschrieben habe.

Wenn man aber in so einer Gemütsverfassung ist und dann kommt er auch noch mit Sachen wie "Sie kennen die BGV A3?" Ja, kenne ich, das ist die Verpflichtung, die elektrische Anlage und alle elektrischen Betriebsmittel ständig prüfen zu lassen. Und dann kommt er mit so einer Schauergeschichte an wie eine Schreinerei die abbrennt, die Mieterin in der Wohnung darüber stirbt und die Geschäftsführer werden wegen Totschlags verurteilt weil sie die Prüfung unterlassen haben und die Versicherung zahlt keinen Cent. Ich habe das bisher auch nicht gemacht, aus verschiedenen Gründen. Zum einen ist es ja extrem schwer geworden überhaupt Handwerker und vor allem Elektriker zu bekommen. Die Verteilungen prüfen zu lassen - okay das geht. Die ganzen Geräte - keine Ahnung wie viele das sind, auf jeden Fall sind es jetzt sehr, sehr viel weniger wo die Werkstatt mit dem kompletten Inhalt untergegangen ist. Aber wie sieht es mit der Beleuchtung im Laden aus? Ich habe eine Rasterdecke und alle Beleuchtungskörper haben einen Stecker und sind mit einer großen Kiste voll Dreiersteckdosen angeschlossen. Es dürften fast 200 Lampen sein. Zählen die als "ortsveränderliche Betriebsmittel"? - dann müsste ich alles ausbauen, dem Elektriker zum Prüfen geben und alles wieder einbauen. Oder selbst wenn sie als fest eingebaut gelten: Sie müssten ja vor dem Einbau geprüft sein, was sie nicht waren. Prost Mahlzeit: Das dauert Wochen und frisst einen guten Teil des Jahresgewinns auf.

Ein anderer Opportunist ist sofort in die Geschichte eingegangen. Ein Kunde hat angerufen weil er Ersatzschienen für sein Mülleimersystem gebraucht hat und mir sind beim Bergen ein Paar von einem älteren System in die Hände gefallen. Der Kunde kam dann vorbei und leider waren die Schienen aber dann nicht alt genug, das war das Modell von noch davor. Jedenfalls hatte er auch Probleme mit seinem Spülbecken und es gibt aktuell nichts was die gleiche Größe hat damit es zum Loch in der Granitplatte passt. Aber ich hatte noch genau das gleiche Modell in der gleichen Farbe wie es der Kunde hatte am Lager, es war nur verschlammt, aber bei Keramikbecken ist das ja kein Problem, die werden wieder sauber. Ich habe ihm dann einen Sonderpreis bei Selbstabholung gemacht. Aber der Preis war ihm dann wohl noch nicht Sonder genug und er hat den Spruch abgelassen "Das muss aber jetzt noch billiger werden". Aber Menschen sind halt Egoisten und das Leid anderer ist ihnen herzlich egal und nur ein zusätzlicher Grund um Forderungen zu stellen. Das habe ich ja auch zu spüren bekommen als ich weitere Anzahlungen von den Kunden mit offenen Aufträgen haben wollte - ein Teil hat sich schlichtweg geweigert.

Und genauso liefen ein paar andere Telefonate ab mit Kunden die entweder noch offene Servicefälle haben oder bei denen etwas neues aufgetreten ist: Das unser komplettes Lager untergegangen ist, ich damit alleine bin und erst ein Drittel überhaupt geräumt habe? Egal, ich habe Anspruch auf den Service und das muss jetzt sofort sein und wenn es nur eine Sockelblende ist die sich etwas nach vorne biegt. Da sieht man überhaupt erst, was für einen Einfluss die Persönlichkeit auf solche Sachen wie Egoismus hat: Ich habe ja das gleiche Problem und von den Handwerkern die ich beauftragt habe höre ich nichts. Und ich hatte dem Heizungsbauer noch gesagt dass er sich vorrangig um die Kunden kümmern soll die jetzt noch nicht mal warmes Wasser haben, wir haben zwar keine Heizung aber immerhin Warmwasser, mein Problem ist also nicht so dringend. Wenn ich da anrufe geht es ja auch nicht schneller oder eben nur auf Kosten anderer die es nötiger haben. Aber mit so einer Einstellung gehöre ich eben zumindest gefühlt zur Minderheit und das dürfte genauso auch mit der Loyalität sein: um überhaupt sehen zu können, dass manche Verhaltensweisen zwar kurzfristig einen Aufwand bedeuten aber langfristig vorteilhaft sind muss man eben in die weitere Zukunft sehen können. Und das kann die Mehrheit eben nicht.

Und da sind wir beim Titel des Artikels: Nicht nur, dass man die falsche Persönlichkeit hat um ein Geschäft mit eiserner Hand zu führen. Sondern auch eine Welt, die es solch kleinen Unternehmen immer schwieriger macht zu überleben. Aber mit meiner Persönlichkeit ist es einfach ein no-go die Firma auf eine Größe aufzublasen wie es die Nachbarn haben: 80 oder gar über 200 Mitarbeiter. Da ist nichts mit Tausendsassa, da gibt es für den Unternehmer nur das Management. Aber deren Ausstellung ist ja fast gleich groß und da fallen solche Kosten wie für die A3-Prüfung einfach nicht so ins Gewicht. Und es ist ja nicht nur das - der DGUV fallen ja ständig neue Verpflichtungen ein. Und allen anderen Behörden auch. Nur wer soll das alles machen wenn man schon so ständig am Anschlag und an der Grenze zu Karoshi lebt?

Aber zurück zum Gutachter: Es bleibt ja nicht bei der einen Horrorstory. Als er das Lager sieht dann stellt er fest, das unbedingt getrocknet werden muss. Ja, aber woher soll ich denn Bautrockner nehmen für so eine Fläche? Und selbst wenn ich sie hätte, woher den Strom? Ich arbeite mit einer einzigen Kabeltrommel die ich von der Ausstellung aus verlegt habe, aber mehr als 16A hält die nicht aus. Ja, der Elektriker hat uns provisorisch den Strom wiederhergestellt, aber wir haben ja noch nicht mal ein Angebot dafür bekommen die Verteilung dann tatsächlich neu zu machen. Und ohne Angebot kein Auftrag und ohne Auftrag wird ja noch nicht mal das Material bestellt.

Soweit es aussieht hatte ich das Glück, das ich kein Heizöl im Lager hatte. Die Tore hat es ja unten eingedrückt, oben blieben sie dicht und haben als Ölsperre gewirkt. Und dann kommen so Horrorstorys wie "den gesamten Putz abschlagen" und weil das meiste Beton ist: "da bleibt oft nur der Rückbau" (sprich Abriss). Und dann muss man ja auch noch gnädig sein, dass er einem keinen Strick daraus dreht dass wir nicht alles auf Europalettenhöhe über dem Boden gelagert haben. Als ob das bei zwei Metern Überflutung eine Rolle gespielt hat. Dafür kommt er aber mit Unterversicherung. Die Versicherung wurde vor meiner Zeit abgeschlossen und dann komme ich auch dazu: Es ist so furchtbar in einer Welt leben zu müssen in der die Regeln immer von anderen gemacht werden und niemals zu meinen Gunsten. Und praktisch nie symmetrisch, also gerecht. Wenn der versicherte Wert höher ist als die Versicherungssumme, dann bekommt man nur einen Teil des Schadens ersetzt. Ist man überversichert - dann gibt es natürlich keinen Cent mehr. Das ist dasselbe wie die Behörden jedem gerne einen Strafzettel verpassen der zu schnell fährt, aber niemanden entschädigen der wegen unzureichender Verkehrsplanung im Stau steht und die Richtgeschwindigkeit deshalb gar nicht erreicht.

Oder wie in diesem Fall: Der Versicherungsvertreter von damals hätte das wissen müssen, dass die Summe viel zu niedrig ist weil ja nicht nur der Warenbestand dazugehört (den hatten wir ihm angegeben), sondern auch der Aufzug, die Büroeinrichtung, die Werkstatt und alles andere. Mit einem Blick in die Bilanz wäre das klar gewesen. Aber so ein Fehlverhalten bleibt natürlich folgenlos. Macht man selbst nur ein bisschen was falsch - bämm. Eine sehr praktische Regel: Die Nichteinhaltung von Regeln wird bestraft, selbst wenn derjenige die Regel gar nicht kennt.

Deshalb habe ich mir in den letzten Wochen immer wieder die Frage gestellt, ob ich denn nun froh bin ein INTJ zu sein oder nicht. Das ist natürlich unmöglich zu beantworten. Auf der einen Seite kann ich deshalb sehr viel. So wie der Elektriker alles provisorisch zusammengeflickt hat, ging auf dem kompletten Speicher das Licht nicht weil das irgendwo unten mit aufgeklemmt war. Und er hatte natürlich keine Zeit dafür das herauszufinden. So konnte ich mir helfen und habe die Leitung gefunden und oben in der Verteilung angeklemmt. Gedurft habe ich das natürlich nicht weil die Welt um mich herum einfach nicht vorsieht, das Nicht-Elektriker irgendwas mit Strom machen, das geht nur wenn man eine entsprechende Ausbildung hat und dann noch für einen Meisterbetrieb arbeitet.

Auf der anderen Seite habe ich gesehen dass sie bei ihrem Provisorium an einem Sicherungseinsatz der dafür gedacht war mit zwei Schrauben ein Kabel zu klemmen unter beide Schrauben Ringkabelschuhe geklemmt haben. Die sind aber breiter als die Schrauben. Nach meinem Wissen gehört die Hausverteilung vor den Hauptsicherungen aber zur Überspannungskategorie IV und ist für 6.000 V Überspannung auszulegen was eine Luftstrecke von 6 mm benötigt - und nicht nur zwei wie sich da ergeben haben. Zumal der ganze Kasten ja noch chronisch feucht weil erst vor einer Woche aus dem Wasser wieder aufgetaucht ist. Stattdessen höre ich was von "das ist Kategorie zwei, solange sich das nicht berührt ist das in Ordnung". Man merkt auf was ich hinauswill? Auf der einen Seite ist es für mich völlig illegal so was zu machen, auf der anderen Seite mache ich das richtig, während die die es legal machen dabei schlampen. Die Welt ist einfach nicht für Menschen wie mich gemacht und das ist einfach nur ...

Das die letzte funktionierende Türklingel auch noch ihren Geist aufgegeben hat ist auch so ein Beispiel. Für alle anderen wäre das ein unüberwindliches Problem gewesen. Zuerst mal jemanden bekommen der das repariert oder ersetzt - die Klingel ist in die Telefonanlage integriert und die ist auch schon 15 Jahre alt und arbeitete damals mit einem anderen Prinzip. Jede Firma würde "geht nicht" sagen und eine neue Telefonanlage verkaufen, Lieferung irgendwann im nächsten Jahr. Ich habe zwar ein paar Stunden dafür gebraucht, aber ich habe es mit einer aktuellen Türsprechstelle hinbekommen, dafür brauchte es ein paar Änderungen der Verkabelung und Programmierung und dann ging es wieder.

Ich sage nicht dass ich dabei unfehlbar bin: Als ich im Jahr 2000 die erste Küchenausstellung gebaut habe habe ich die Steckdosen selbst in die Stellwände eingebaut und die Leitungen dafür verlängert. Und ich habe das so gemacht wie das meine Vorgänger gemacht haben: mit Lüsterklemmen. Jetzt, 20 Jahre später finde ich heraus das das haarsträubend falsch war weil die Lüsterklemmen gerade mal 6A aushalten, eine Steckdose aber mit 16A abgesichert ist. Ist aber in der jetzigen Ausstellung nicht mehr so.

Jedenfalls hatte ich nach dem Besuch des Sachverständigen einen totalen Breakdown und nicht nur weil das Wasser damit über 100.000 Euro an unversichertem Schaden hinterlassen hat und das auch nur weil er großzügig war. Und ich immer noch keinen Plan habe wie mein Lager irgendwann mal wieder benutzbar werden soll. Und ich frage mich halt immer mehr, was ich denn in der Zukunft überhaupt machen will. Wenn mein letzter Urlaub gerade mal ein Wochenende 2016 war, dann bin nach fünf Jahren Arbeit ohne Pause und noch der ganzen Steigerung der Katastrophen einfach nur noch fertig und will nur noch dass es aufhört. Das geht natürlich nicht, es sind noch etwa 50 Küchenaufträge offen die bis Mitte nächsten Jahres ausgeliefert werden müssen. Das geht auch irgendwie mit der Montagefirma und dann muss ich halt hinterherfahren und alles wieder geradebiegen. Aber danach? Wenn ich mir das überlege wie viel ich bezahlen müsste um mit dem Arbeitsmarkt in Luxemburg zu konkurrieren wenn man die Leute überhaupt abwerben kann und wie viel man dann jeden Monat verkaufen müsste um überhaupt erst mal die Löhne zu bezahlen - das tue ich mir nicht mehr an. Ich will irgendwann auch wieder mein Leben zurück.

Nach dem Willen des Gutachters macht jetzt eine Sanierungsfirma die Räumung des Lagers. Nur dass deren Angebot nicht bei 7.000, sondern bei über 24.000 Euro liegt. Mit dem einzigen Unterschied, dass das in erster Linie Arbeitsstunden nach Rapport sind und davon 600. Persönlichkeitseigenschaften sind ja eben oft Fluch und Segen zugleich und INTJs sind eben Effizienzmonster. Und wir neigen dazu, auf andere Menschen in unserer Umgebung "aufzupassen". Damit die keinen unsinnigen Mist bauen. Und in dem Fall der Sanierungsfirma und deren Angebot - mir fehlt jetzt einfach die Kraft dafür mich darüber aufzuregen, wenn es die Versicherung bezahlt dann sollte es mir egal sein. Weil im vorderen Teil des Lagers noch Sachen lagen die man nicht einfach so unbesehen wegwerfen konnte, habe ich so um die 100 Quadratmeter selbst geräumt. Und dabei unter anderem die Ergänzungsteile für die Musterküche von 2009 geborgen und gerettet, die gibt es natürlich nicht mehr nach und die Musterküche selbst stand ja auf dem Speicher und wenn der Auftrag platzt bezahlt mir die keiner.

Jedenfalls habe ich fürs Leerräumen dieser 100 Quadratmeter alleine keine 10 Stunden gebraucht. Das Meiste kann man einfach so mit der Sackkarre herausfahren wie es hereingefahren worden ist. Bei 700 Quadratmeter also 70 Stunden. Gut, dann steht das Zeug auf dem Hof und man muss die Schränke noch kleinmachen und aufladen. Deshalb ja der Bagger mit Sortiergreifer, der macht da kurzen Prozess, das sind vielleicht noch mal 20 Stunden. Aber nein, die Sanierungsfirma wird wohl etwa die Hälfe der Leute alleine fürs Kleinmachen und Aufladen brauchen. Nur dass so ein Bagger 300 Euro am Tag kostet während bei 44 Euro die Stunde schon der Mann der oben auf dem Container steht so viel kostet. Also furchtbar ineffizient und Verschwendung hoch drei. Genauso rechnet die Firma 1.500 Euro für Baustelleneinrichtung und Stellung von Werkzeug. Gebracht hat der Vorarbeiter drei Vorschlaghämmer und Nageleisen, aber weder Schubkarre noch Sackkarren und natürlich auch keine Schaufeln und Wasserschieber. Prost Mahlzeit, wenn die das auch noch alles herausschleppen wollen dauert das ja nochmal so lange. Meine Karren gebe ich nicht her, das habe ich schon am allerersten Tag gelernt. Unter dem ganzen Schlamm sind nämlich auch immer wieder lose Schrauben und Nägel und prompt hat sich einer der freiwilligen Helfer eine Schraube in den Reifen gefahren. Deshalb bin ich immer so vorgegangen dass ich parallel zum Leerräumen auch immer den Schlamm weggemacht habe, neben spitzen Überraschungen wird das sonst auch noch furchtbar glitschig. Aber Schlammbeseitigung gehört wohl nicht zum Versicherungs- und damit Leistungsumfang. Aber wenn die das halt so ineffizent und unangenehm unter Eisbahnbedingungen machen wollen, dann reiße ich mich halt am Riemen und lasse sie sich herumquälen. Und warum müssen die mit 10 Mann kommen? Die stehen sich ja nur in den Füßen und verstecken sich hinter dem Nebenmann, ich hätte das zu viert gemacht: Zwei fahren das Zeug raus, einer macht den Schlamm weg und der vierte fährt den Bagger. Maximale Effizienz. Aber die Welt funktioniert halt nicht so und ich muss und kann der Welt nicht zeigen wie man es richtig macht weil ich eben die drei anderen nicht bekomme.

Ich hätte mir auch denken können was das für eine Firma ist die dann den Sanierungsauftrag bekommen hat. Zuerst war ein Projektleiter ohne Migrationshintergrund da der sich die Lage angeschaut hat, zusammen mit einem Bauleiter. Spätestens als der Bauleiter dann zwei Tage später das Angebot gebracht hat und mich gefragt hat ob ich die Rapportzettel jetzt schon unterschreiben will hätten bei mir alle Alarmglocken angehen müssen. Die drei Tage wo dann der Trupp da war werden wohl lange in Erinnerung bleiben. Das fing damit an dass die um sieben Uhr da sein sollten, für meinen Geschmack viel zu früh weil es ja erst um acht Uhr beim ALDI Brötchen gibt. Jedenfalls wird es sieben, halb acht, acht ... niemand da. Um 8:20 Uhr kommen dann drei und die restlichen fünf trudeln bis um 9:20 Uhr ein. Natürlich alle mit orientalischem Migrationshintergrund und kaum einer kann richtig Deutsch. Und total unzureichend ausgestattet. Keine Stiefel für den Dreck, keine Transportmittel in Form von Sack- oder Schubkarren, am Ende haben die meine Möbelkarren vom Lager verwendet weil sie nichts anderes hatten.

Und was dann auffiel: Sie machen gerne Pause. Da wird von zehn bis halb elf eine Frühstückspause gemacht und schon um 11:45 Uhr hören alle auf um sich seelisch auf die Mittagspause vorzubereiten. Bis dann wieder weitergearbeitet wird ist es 13:15 Uhr. Und dann werden Nachmittags nochmal zweimal eine halbe Stunde Pause gemacht. Und natürlich wird schon um 16:45 Uhr der Feierabend eingeläutet. Und keine Ahnung was die in der Zeit machen, aber sie verschwinden dann natürlich während der Arbeitszeit für eine halbe Stunde oder noch länger (!) auf der Toilette. Und der Vorarbeiter ist während der Hälfte der Zeit am Telefonieren. Mehr als sechs Mann haben also praktisch nie gleichzeitig "gearbeitet" - was ich jetzt nicht berücksichtige ist das wenn drei Mann an etwas arbeiten grundsätzlich nur zwei sich bewegen und der dritte schwätzt irgendwas in einer mir fremden Sprache mit den anderen. Auf dem Stundenzettel den man mir vorgelegt hat stand dann aber von 8 bis 17 Uhr, 8 Mann zu 9 Stunden. Nachdem ich das mehr oder weniger gezwungenermaßen unterschreiben musste (wer macht schon alleine gegen acht Mann mit Vorschlaghämmern einen Aufstand?!) konnte ich das aber so nicht weiter ansehen. Mag sein, dass die Versicherung das bezahlt. Aber wie ich oben geschrieben habe gibt es ja loyale Menschen und welche die davon nicht viel halten. Und Loyalität gilt ja nicht nur gegenüber Personen, sondern eben auch gegenüber Werten. Und "du sollst nicht betrügen" gehört für mich eben dazu und wenn ich so ein Märchen unterschreibe mache ich mich der Beihilfe schuldig. Alleine für die ersten zwei Tage waren das 152 Stunden abgerechnet gegenüber knapp 100 tatsächlich gearbeitet, mal 44 Euro ... das lohnt sich. Nur fürs Protokoll: wenn ich etwas auf Stunde gearbeitet habe und ich habe das nicht mit einer App mitgestoppt, dann habe ich immer so abgerundet dass ich immer weniger berechnet habe als tatsächlich geleistet wurden damit ich immer auf der sicheren Seite bin.

Das der Wahnsinn anscheinend Methode hat stellte sich dann später heraus. Auf meine Frage am zweiten Tag was denn mit den Pausen sei hieß es: Der Auftraggeber (die Truppe war natürlich nur ein Subunternehmer) wüsste das. Als ich dann den Projektleiter angerufen habe bekam ich was zu hören von wegen: "Das sind ja nur Männer und keine Maschinen, die müssen ja mal Pause machen dürfen". Klar dürfen die so lange Pause machen wie sie wollen, aber die Pausen als Arbeitszeit abrechnen ist doch Betrug. Davon wollte der Mann aber nichts wissen. Also nichts von wegen Schuldbewusstsein, das ist schon dreist. Was dann anscheinend Wirkung gezeigt hat war der Weg dass ich meinem Versicherungsvertreter das auch so geschildert habe dass ich einen falschen Rapport unterschreiben musste. Daraufhin kam am dritten Tag der Vorarbeiter an und sagt er sei "wegen der halben Stunde" sauer weil ihn das zwei Stunden Telefonate gekostet hätte. Und er hat die Chuzpe mir das zu sagen während er selbst den ganzen Vormittag überhaupt nichts angefasst hat und während seine Leute gerade die "halbe Stunde" schon alleine für die Frühstückspause aufbrauchen. Natürlich wäre das für mich viel einfacher gewesen bei der krummen Tour einfach mitzuspielen. Aufrichtig zu sein bringt einem in der Gesellschaft immer mehr Ärger ein, man denke nur an das schöne Wort "Petze". Ich habe dann geänderte Rapportzettel unterschrieben wo die Verspätung bei der Anfahrt drauf stand und eine Stunde Pause. Das ist zwar dann immer noch weit weg von der Wahrheit, aber irgendwo fehlt einem dann auch die Kraft so etwas auszufechten.

Und ich bin dann anscheinend doch ein Roboter. Ich war um sieben Uhr auf der Baustelle und habe angefangen zu arbeiten, bevor die Leute kamen. Dann habe ich während deren Frühstücks- und Kaffeepausen durchgearbeitet, bin während der Mittagspause auf die Toilette gegangen und habe abends weitergemacht wenn die schon lange abgerückt sind. Das gab einen neuen Rekord auf dem Schrittzähler: fast 32.000 Schritte. Die Hersteller von Arbeitschuhen haben da wohl irgendein Geheimnis. In normalen Straßenschuhen sind ja schon 10.000 Schritte eine Qual und die kosten viel mehr.

In Deutschland gibt dann auch noch das Problem was hier in der Eifel mit Verzögerung, aber dann doch noch kommt: Man bekommt Probleme weil man sich mit den Menschen die hier (in Deutschland!) arbeiten nicht mehr auf Deutsch verständigen kann. Man darf aber nichts darüber sagen weil man dann direkt als "fremdenfeindlich" gilt. Und dann eben auch ihre Arbeitsmoral und -mentalität mitbringen. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Fremde, ich habe auch mal einen Trupp russischstämmiger Migranten bei der Arbeit gehabt, die wurden auch nicht müde und haben geschafft wie die Berserker. Ob das am Klima liegt? Wenn man in Sibirien während der Arbeit rumsteht, erfriert man, während es im Orient einfach zu heiß ist um ständig und vor allem während der Mittagszeit durchzuarbeiten. Wir sind aber hier in Deutschland ...

Mir dreht sich dabei alles um, irgendwie habe ich ja einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Bei der Entsorgung des Mülls wurde genauso ein Ding gedreht: Drei der Container gingen direkt auf meine Rechnung, die habe ich über den Containerdienst bekommen und die haben pro Stück 1.500 Euro gekostet. Die Sanierungsfirma hat für die restlichen fünf ein Lohnunternehmen beauftragt. Das war zwar schneller, die konnten jeden Tag leeren, aber dafür kostete der Spaß etwa das doppelte obwohl sie den Müll beim gleichen Entsorger abgeliefert haben. Weil jeder Beteiligte fleißig aufgeschlagen hat. Wie eine Versicherung so etwas anstandslos bezahlt ist mir schleierhaft, genauso die fast schon kriminelle Energie sich auf eine solche Art an so einer Katastrophe zu bereichern.

Wenn man sich das so überlegt, dann gibt es wohl zwei große Gruppen in der Bevölkerung: Die einen halten eben nichts von Loyalität und dementsprechend auch Ehrlichkeit, erlaubt ist alles womit man durchkommt und Versprechungen von vorher zählen später nichts mehr. Und die andere Gruppe sind die, die alles ganz genau nehmen und alles mit Regeln und Bürokratie belegen. Und als INTJ steht man genau dazwischen und bekommt von allen Seiten was auf die Mütze. Die einen betrügen und bereichern sich, direkt oder indirekt auf meine Kosten und in den allermeisten Fällen auch ungestraft. Und die anderen kommen beim kleinsten Fehltritt direkt mit der großen Keule, wie eben der Elektroprüfung und den drohenden Konsequenzen. Und wenn man das so betrachtet dann richten beide Gruppen die Gesellschaft und den Planeten zugrunde, die einen lähmen sich selbst und bekommen nichts auf die Reihe während die anderen nur den eigenen Vorteil sehen und keinen Blick für die Konsequenzen haben. Schöne Aussichten und keinen Platz für jemanden der sein Leben einfach nur vernünftig und verantwortungsvoll gestalten will.

Und zu guter Letzt noch die letzten Regeln die einfach nicht zu meinem Leben passen - und das sind die die sich um das private Glück drehen. Dating funktioniert nach Regeln mit denen ich nichts anfangen kann. Die Alpha-Männer ziehen die Frauen an und überhaupt schreiben die alles an was sich nicht wehrt. Wenn man aber kein testosterongesteuerter Macho ist sondern als Mensch eben auf eine bestimmte Persönlichkeit fixiert ist - dafür gibt es keine Lösung, das ist so nicht vorgesehen. So was wie Tinder ist ja der Gipfel an Oberflächlichkeit: Ein Foto und hopp oder topp. Was für ein Typ der Mensch dahinter ist? Keine Chance das herauszufinden. Das Einzige was mir bleibt ist ein klassisches Luftschloss: Wenn es irgendwann mal einen richtigen Sommer gibt und ich Zeit habe und Corona vorbei ist, dann setze ich mich mit Campingstühlen, einem Tisch und einem Schachbrett in Trier auf den Domfreihof unter die Bäume und warte darauf dass jemand vorbeikommt und mit mir spielt. Das ist kein komplettes Hirngespinst, das gibt es wirklich, zum Beispiel in New York (auf Youtube nach Chess-Hustler suchen). Und weiter: vielleicht ist da auch jemand weiblich und passt in mein Raster ... träum ...

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So einfach wie das klingt bin ich wirklich an einem Punkt wo man einfach nur noch irgendwas im Leben haben will was Spaß macht. Aber leider sieht das ganz, ganz düster aus. Das fängt schon an, dass mir ständig kalt ist, kein Wunder bei Minusgraden außen u

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Mein Beileid - üble Entwicklung.

Vielleicht ist nun wirklich der Zeitpunkt gekommen um sich gänzlich neu zu orientieren. All Deine Anstrengungen als Küchenbauunternehmer scheinen wenig zu fruchten und dann kommt auch immer wieder Pech hinzu (und nun noch eine Katastrophe). Deinem Vater scheint es auch eher egal zu sein, wie es Dir geht und wie sich das Geschäft entwickelt. Aus reinem Selbstschutz würde ich Dir dazu raten zu versuchen, mit einem blauen Auge davon zu kommen und das Küchenbaugeschäft (möglichst ehrenhaft) zu beerdigen. Vielleicht hat die Konkurrenz Interesse an den noch offenen Verträgen und vielleicht können die Versicherungsleistungen den Schaden in Grenzen halten.

Ich glaube Du machst Dich wirklich kaputt, wenn Du weitermachst...

Natürlich kann ich das aus der Ferne nicht wirklich beurteilen... das waren einfach meine Gedanke nach dem Lesen dieses langen Blogeintrags.

Ich wünsche Dir viel Kraft!

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